Sonntag, 12. Oktober 2014

Auf die Omas – und Opas

Das Jahr hat 365 Tage (subjektiv ja höchstens 120 oder wieso ist schon wieder Oktober?) und fast jeder Tag ist auch ein Feier- oder Gedenktag. Die Anlässe sind durchaus ernst zu nehmen! Da ist der Tag der Jogginghose am 21. Januar, der Anti-Diät-Tag am 6. Mai oder der Tag der verlorenen Socke drei Tage später. Diesen begehe ich immer besonders feierlich, gibt er mir doch das Gefühl, mit diesem Problem nicht alleine da zu stehen.

Ja, und an diesem Sonntag ist wieder so ein Feiertag. Ein besonders wichtiger, wie ich finde: Der internationale Oma-Tag. Es erschließt sich zwar nicht, warum es einen Oma-Tag gibt, aber keinen Opa-Tag und ich muss an dieser Stelle vehement fordern, unverzüglich einen einzuführen, aber die Idee ist grundsätzlich großartig. Anders als mein Mann bin ich ja einer dieser Traditionsmenschen. Während er schreiend wegläuft, sobald sich am Horizont ein altes oder neu erfundenes Brauchtum ankündigt, stürzte ich mich mitten rein.

Mir doch egal, wenn sich die Blumenindustrie freut. Die Floristen freuen sich mit und warum nicht den Holländern auch mal was Gutes tun. Die haben‘s ja auch nicht leicht, jetzt wo der Meeresspiegel ansteigt und so. Aber ich schweife ab. Drei-Absatz-lange-Rede kurzer Sinn: Ich möchte den Oma-Tag zum Anlass nehmen, ernsthaft „danke“ zu sagen. Unseren zwei Omas UND natürlich dem Opa. Denn sie haben es mehr als verdient.

Oma und Opa an sich

Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Während ich mich gerade vom letzten Machtkampf mit meiner Dreijährigen erhole – ich habe verloren und sie darf trotz Regen in Strumpfhosen ohne Rock in die Kita UND mein Deko-Schaf mitnehmen – bin ich sicher, dass das nicht ausreicht. Zumindest, wenn man annähernd den erzieherischen Standards genügen will, die über die Medien und das Umfeld transportiert werden und dabei noch den ganzen anderen Alltagskram bewältigen muss.

Per definitionem ist eine Oma (oder ein Opa) neben Mutter und Vater der Eltern folgendes: „Betreuer, Kulturvermittler und Ratgeber innerhalb der Familie und ein Bindeglied zwischen den Generationen.“ Klingt wichtig, ist es auch! In der Praxis sieht das dann so aus: Zwei Menschen Mitte sechzig setzen sich einmal in der Woche ins Auto, um 65 Kilometer am Rhein entlang von A nach B zu fahren und dort stundenlang ein Kleinkind zu bespaßen, während Mama und Papa arbeiten. Und das seit über zwei Jahren.

In der anderen Himmelsrichtung steht eine Mitte 70-Jährige aus dem gleichen Grund quasi Tag und Nacht parat, um 20 Kilometer mit Öffis zurückzulegen, dabei bis zu zweimal umzusteigen oder wahlweise lange Fußmärsche bei Regen und Schnee hinzulegen. In der Hand halten die Großeltern bei ihrer Ankunft neue Kleidung oder Bücher fürs Kind, Werkzeug, um etwas in unserer Wohnung zu reparieren, Zeitschriften und Deko oder aber köstliches Fingerfood, Muffins und Kuchen, je nachdem, was die Küche so hergab.

Offene Ohren

Dieses heinzelmännchenartige Kommen und Gehen in unserem Alltag passiert, ohne dass OmaOpa jemals eine Gegenleistung erwarten, einfach aus Liebe zur Familie und aus Liebe zum bisher einzigen Enkelkind. So eine Poleposition hat schon was für sich. Was sie übrigens niemals im Gepäck haben, ist eine lautstarke Meinung zu unserer Art, das Leben zu meistern oder unsereTochter zu erziehen. Und das ist schon fast ein Alleinstellungsmerkmal.

Jeder hat heute einen Standpunkt, wenn es um Elternschaft und Kindererziehung geht. Der Kopfschüttler an der Supermarktkasse, wenn man sich entgegen besseren Wissens mit einem Ü-Ei Ruhe erkauft. Die Mutti in der Rückbildung, die schon drei Kinder hat und das dritte eben im Vorbeigehen bekam, bevor sie eine Stunde später mit der Familie stillend shoppen ging. Der skandinavische Pädagoge (den ich wirklich schätze) und der es wissen muss, schließlich ist er ja aus Skandinavien, und dessen guten Ideen wir einfach nicht genügen.

Unsere Großeltern äußern sich vorsichtig, wenn wir sie fragen. Sie haben offene Ohren und hören auch die Zwischentöne. Sie fiebern mit, leiden und freuen sich genauso, wie wir, wenn es um die kleinen und großen Begebenheiten im kindlichen Alltag geht. Und dabei haben sie das, was uns zwischen Jobstress, Wocheneinkauf und Steuererklärung zu oft abgeht: Zeit, Kraft und Geduld, sich ganz auf ihr Enkelkind einzulassen. Sie müssen sie nicht mitzerren durch den Dschungel der Alltagspflichten, der einfach nicht kindgerecht sein kann.

Trotzkopf möchte bei Sonne und lauen Temperaturen auf gar keinen Fall raus? Gut, dann liest die Oma eben vor und sie versuchen es zwei Stunden später nochmal. Klein-Brutalo erklettert die andere Oma und probiert „Ich reiß dir den Kopf ab“ am lebenden Objekt aus? Oma lacht. Liebelein möchte beim Spaziergang weder laufen noch im Buggy fahren? Opa trägt sie kilometerweit auf den Schultern. Mama und Papa können so was nicht, die haben Rücken. Opa aber eigentlich auch.

Danke!!!

Für all diese großen und kleinen Gesten, die unaufdringliche Hilfe, das Da-sein, wenn ihr gebraucht werdet, danken wir Euch! Nicht nur am Oma-Tag, sondern immer wieder! Ihr seid die Besten!!


Kommentare:

  1. Hildegard Rübennase14. Oktober 2014 um 11:41

    Liebste Nachbarin, man kann es nicht oft genug sagen. Habe den Text ausgedruckt, mit persönlichen Worten versehen und Oma geschenkt...

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  2. Wow, das ist glaube ich das Schönste, was einem Blogbeitrag wiederfahren kann :-)

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Danke für Deinen Kommentar. Ich werde ihn baldmöglichst freigeben.