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Montag, 17. August 2015

Braindead...

Wer bin ich und wenn ja wie viele....

Wenn alternde Ehepaare - also in diesem Fall mein Mann und ich - sich unterhalten, klingt das manchmal so:

Er (macht die Glotze aus): Wie fandste jetzt den Film?
Ich: Ganz gut, aber den Schauspieler mag ich nicht.
Er: Echt?
Ich: Ja, der hat doch letztens den Zuckerberg in diesem Facebook-Film gespielt.
Er: Nä!

Montag, 29. Juni 2015

Sport ist...

 

Also eigentlich wollte ich ja heute über Helicopter-Parenting schreiben. Da bin ich echt gut drin. Aber dann kam diese Petition der Bloggerin Christine "Mama arbeitet" gegen die Bundesjugendspiele und da kann ich, meines Zeichens "lahme Ente", nicht nur zuhören.Was gibt es deswegen für einen Aufschrei und wie immer geht auch viel unter die Gürtellinie. Man könnte meinen, die Dame hätte sich für die Abschaffung des Sportunterrichts im Allgemeinen oder gar gegen Mathe und Physik ausgesprochen. (Leider nicht!)

Vielleicht sollte ich auch eine Petition starten. Gegen Sportnoten! Aber ich hab Angst vor Haue und boxen und asiatische Kampfkunst haben wir im Sport nie trainiert.

Was wollen wir denn vom Schulsport? Gesunde Kinder, die sich zu gesunden Erwachsenen entwickeln, für die Bewegung selbstverständlich dazugehört und die den inneren Schweinehund nur noch vom Hörensagen kennen. Wenn man aber will, dass motorisch eher suboptimierte Kinder irgendwann freiwillig Sport machen, dann sollte die Schule ihnen doch vor allem eins vermitteln: dass Bewegung Spaß machen kann!

Wenn ich als Kind eine gewisse physische Unterbegabung mitbringe, kombiniert mit einem frühreifen Risikobewusstsein (wenn ich über den Bock springe und mit den Füßen hängen bleibe und dann vorneüberschlage und mit der Nase auf den Boden knalle...) sowie einem gewissen Hang zur realistischen Denkweise (mit platter Nase habe ich schlechtere Heiratschancen, als mit Rückenproblemen und Zellulite am Oberschenkel)...

Ente, lahme
... dann wird sich meine Sportbegeisterung nicht wecken lassen, indem ich immer wieder eine wohlwollende 3 oder eine ernstgemeinte 4 kassiere oder mich bei den Bundesjugendspielen einmal im Jahr vor der gesamten Schulgemeinschaft zum Deppen mache ("Du bist doch so schlank, wie kannst du so langsam sein?") ICH WEISS ES NICHT!

Ich habe noch nie erlebt, dass aus einer lahmen Ente in 9 bis 13 Schuljahren irgendetwas anderes als eine lahme Ente geworden wäre. Noten und Urkunden hin oder her. Ich habe aber wohl erlebt, dass eine lahme Ente durchaus in der Lage sein kann, gut Salsa zu tanzen oder zu reiten oder Ski zu fahren oder Einrad...

Soll heißen: Ich fände es gut, wenn Schüler erstmal die große Bandbreite unterschiedlicher Sportarten - auch der seltenen - kennenlernen könnten. Ja, auch wenn das aufwendig, teuer und eigentlich nicht machbar ist... Wo ein Wille, da ein wolle. Ich fände außerdem gut, wenn jeder in seiner eigenen Geschwindigkeit trainieren dürfte, ohne Leistungsdruck, um es wirklich zu lernen und Spaß daran zu entwickeln, auch wenn es ein paar Stunden mehr dauert. Das geht nicht? Doch, ich habe es selbst erlebt:

Im Skiurlaub in der Mittelstufe, ohne jegliche Vorkenntnisse, mit besagter motorischer Unterbegabung und übersteigertem Risikobewusstsein: Soll heißen, ich habs auf dem Idiotenhügel nicht auf die Reihe gekriegt, bin so oft aus dem Skilift gefallen, dass ich für die Skitaufe am Abend fällig war und einmal fuhr einer meiner Skier bei dieser Gelegenheit ohne mich ins Tal. Machte aber nichts, ich hatte den rutschigsten Skianzug von allen und hab ihn später rechts überholt.

Hat Spaß!
Aber ich hatte Glück: Einige von uns hatten sich am Anfang irgendwas eingefangen und deshalb Nachholbedarf, einer hatte aus Umweltbewusstsein verweigert, bis ihm jemand sagte, dass die kahlen Lärchen nicht vom Waldsterben kommen, sondern im Winter immer die Nadeln abwerfen. Dazu so ein paar Nichtskönner wie ich und los ging es: Wir alle kamen in die Krückengruppe und wurden vom Meister persönlich trainiert. Ganz intensiv - einen ganzen Tag lang. Danach konnte ich es!

Dieses besondere Gefühl, es geschafft zu haben, hat mir bis heute eine - theoretische - Skibegeisterung erhalten. Soll heißen, ich bin seither noch zweimal mit großer Freude im Skiurlaub gewesen und hätte es sicher noch öfter gemacht, aber mein Mann kann sich kaum auf seinen Füßen halten, geschweige denn auf zwei Brettern, die den Bruch bedeuten. Meine Freude am Skifahren entstand nicht durch den Wettkampf mit anderen (das hätte mich vollends demotiviert), nicht durch die Note, die ich nachher bei der Prüfung bekam (auf die hätte ich lieber verzichtet, auch wenn sie gut war), sondern einzig und alleine durch die Erfahrung, dass Sport Spaß machen kann.

In diesem Sinne - zurück auf die Couch!


Eure Nachbarin

Montag, 16. Juni 2014

Schwarz-Rot-Messing

Jetzt kommen sie einem wieder entgegen: Autos mit schwarz-rot-goldenen Ohren, Menschen mit schwarz-rot-goldener Kriegsbemalung. Im meinem Fall auch gerne mal vor dem Spiegel. Ich meine, was bietet sich besser an zum Feiern, als eine WM? Dabei geht es auch um Fußball, aber zuallererst um dieses Gemeinschaftsgefühl, "Deutschland ein Sommermärchen". Und: Wir sind gar nicht so deutsch, wie wir aussehen... eigentlich mehr so die Brasilianer Europas und so weiter. Das tat gut 2006 und das tut gut, acht Jahre später. Wenn's auch nur vier Wochen dauert.

Aber, liebe Leute, musste das eigentlich sein? Ich meine, wer hat sich das ausgedacht? Schwarz-Rot-Gold??? Was ist denn das für eine Kombi? Schwarz und Rot geht schon mal gar nicht. Das fand ich schon als Kind, als ich den Teufel wegen Unästhetik aus dem Kasperletheater verbannte. Aber dazu noch dieses "Gold"! Hallo? Das ist vielleicht Senfgelb - sieht irgendwie ökologisch abbaubar aus...

Jetzt darf man mir gerne mangelndes nationales Bewusstsein vorwerfen, aber schön ist das nicht. Es gibt so tolle Flaggen! Schweden zum Beispiel oder Griechenland, das ist frisch, das ist luftig, wie es halt zu so einer Fahne passt. Union Jack und Stars and Stripes schaffen es ja mittlerweile sogar auf Möbel und Sofakissen. Der absolute Hit aber ist - ihr werdet es schon erahnen - die Flagge von Mikronesien. Sterne gehen so was von im Moment. Und dann noch dieser himmelblaue Untergrund, da möchte man gleich eine Blumenkette draus klöppeln. Zum Beispiel fürs Halbfinale Deutschland-Italien, bei dem wir dann rausfliegen. Aber nein, es muss eben Schwarz-Rot-Gold sein. Eigentlich ist es auch nicht "Gold", sondern Messing, wie Professor Wikipedia auf Anfrage erklärt. Hörte sich aber wohl nicht so prall an: Schwarz-Rot-Messing. Wer es genauer wissen will: Das Farbtrio geht auf einen Freiwilligenverband der preußischen Armee zurück. Studenten aus allen Ecken Deutschlands, die gegen Napoleon marschierten. Sie kamen in unterschiedlichsten Klamotten und deshalb wurde erstmal alles schwarz eingefärbt, um eine Art Uniform zu generieren. Dann noch rote Aufschläge und Messingknöpfe - fertig war die Deutschlandflagge.

Dass das nicht nur ästhetisch fragwürdig ist, sondern auch zu unerwarteten Verwicklungen führen kann, erlebte ich kürzlich. Wieder einmal traf sich der Elternbeirat am lauen Sommerabend im Garten, da kam eine Mutter zwischen den Stauden hindurch und produzierte Sorgenfalten auf die Stirne der Anwesenden. War sie gefallen? In eine Schlägerei geraten? Vielleicht sogar ein Fall fürs Frauenhaus? Eine große verschorfte Wunde prankte auf ihrem Wangenknochen. Ich traute mich nicht zu fragen, das erledigte eine forschere Kollegin. Und noch während das Fragezeichen in der gespannten Luft hing und ich ihren irritierten Blick sah, dämmerte mir: Es ist WM, wenn man sich schwarz-rot-goldene Streifen auf die Wange malt, das Gold sich verflüchtig und der Rest verschmiert... können ganz schnell Gerüchte die Runde machen.

Leider nimmt Mikronesien mit seiner schönen Flagge nicht an der WM teil, also muss man damit leben. By the way, was ist eigentlich Mikronesien? Ich frage meinen Mann, der weiß so was, und auch wie die Hauptstadt heißt. Manchmal machen wir so ein Spiel. Ich sage: Aserbaidschan und er sagt Baku, ich sage Sierra Leone und er sagt Freetown, ich sage Missouri und er verdeht die Augen: "Das ist ein Fluss!" "Ach so."

"Was habt ihr eigentlich in der Schule gelernt", fragt er, der türkische und britische Bildung genossen hat. "Weiß ich nicht mehr", nuschele ich. Und erinnere mich an meinen Erdkunde-LK. Da haben wir in der 12 Klasse mal ein Quiz gemacht: Länderraten. Einer fragte: "Insel in der Karibik?" Alle schrien begeistert: "Hawaii!" Er: "Richtig!" Der Lehrer versank fremdschämend hinter seinem Pult.

Was der wohl zum Thema Mikronesien gesagt hätte? "2.000 tropische Inseln im Pazifischen Ozean. Bikini-Atoll! Na, schrillt da was? - Nee, hat nix mit Ballermann zu tun, ihr Flaschen! Atomwaffentests der USA!!" Oje, stimmt. Aber auch - und das muss gesagt werden -Trillionen Quadratkilometer unberührte Natur, Vielfalt der Kulturen, blaue Lagunen, Taucherparadies. Ich glaube nicht, dass die 'ne WM brauchen, um sich wohlzufühlen...