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Dienstag, 14. Februar 2017

Die Sache mit der Zahnschiene

Hund und kleines Frauchen teilen ja alles - auch mal den Kopf
Mein Mann regt sich selten auf, aber wenn, dann richtig. Und letzte Woche war es mal wieder so weit. Der Grund hat vier Beine, trägt Flokati und ist gerade im dreiwöchigen Sonderurlaub bei Oma und Opa. Dort liegt er völlig unauffällig und pflegeleicht in der Gegend rum und macht seinem Aussehen alle Ehre. Kein Wunder, sage ich da nur. Der Hund ist ausgepowert von all dem Mist, den er hier so anstellt.

Mittwoch, 3. August 2016

Probleme?!

Als ich gerade so meiner Tochter nachgeschaut habe, wie sie in Quasimodohaltung hinter ihrem Vater her zum Kindergarten schwankte, dachte ich, es ist mal wieder Zeit für ein paar Einblicke in unseren Alltag. Der Quasimodo hat nichts mit der aktuellen Befindlichkeit oder motorischen Defiziten zu tun, sondern mit dem Wetter. Nachdem mein Mann es grundsätzlich und ich nur wegen der Bindfäden vorm Fenster ablehnte unser Töchterchen auf ihrem Steckenpferd Sabrina in den Kindergarten reiten zu lassen, gab es die ersten Tränen des Tages.

Eine Alternative musste her und die kam in Gestalt von Amadeus – Ähnlichkeiten zu den Pferdenamen bei Bibi und Tina sind natürlich rein zufällig. Amadeus ist ein gefühlt lebensgroßes Kuschelfohlen mit übertrieben langen Plastikwimpern und allerlei Funktionen. Zu diesen gehört eigentlich nicht, dass man darauf reiten kann, aber wo ein Wille da ein Weg. 

Freitag, 8. Januar 2016

Die Weihnachtsmaus




Ich weiß nicht, ob mir jemand bewusstseinsverändernde Substanzen in den Weihnachtstee gekippt  hat oder das 25stigste Lebkuchenherz mit Marmeladenfüllung irgendwie schlecht war. Jedenfalls, wenn man mich fragt, geht es hier in letzter Zeit nicht mehr mit rechten Dingen zu.

Dienstag, 21. Juli 2015

Urlaubsblog: Grüaß Gott!

Gegend
So und jetzt einmal tief Luft holen. Aaaaahhhhhhh! Nein, ich bin hier nicht beim Lungenfunktionstest. Das war letzte Woche: alles gut. Wir sind auf dem Lande und das, was da durch unsere geblähten Nüstern strömt, ist die gute Landluft.

Sonntag, 14. Juni 2015

Wie wir mal fast zu spät zu einer Hochzeit kamen (also zu unserer eigenen)


Heute vor vier Jahren genau, saß ich mit dickem Bauch völlig entnervt auf dem Bett und schrie meinen Mann an. Es war vier Tage vor unserer Hochzeit, ich im siebten Monat schwanger, gerade hatten wir einen aufreibenden Umzug hinter uns. Die Schwiegereltern waren schon angereist und es gab noch so UNENDLICH viel zu tun. Während meine Schwiegermutter in der Küche eine perfekte dreistöckige Hochzeitstorte zauberte, saß mein Schwiegervater am Küchentisch und tütete seelenruhig kleine weiße und rosa Zucker-Mandeln in 87 Organza-Säckchen ein. Mein Vater schnitzte in seinem Werkzeugkeller ein riesiges weißes Holzherz für die Fotosession und meine Mutter fertigte wunderschöne Blumengestecke, meinen Brautstrauß und die Dekoration fürs Brautauto.

Währenddessen versuchte ich - tiefer in der Schwangerschaftsdemenz versunken als Atlantis im Meer - noch an all die tausend anderen endwichtigen Dinge zu denken, die als undefinierbare Masse durch mein Hirn waberten. Erschwerend kam hinzu, dass ich zu dieser Zeit KEINE - also ABSOLUT KEINE (nicht mal eine Tafel am Tag) - Schokolade essen dufte: Ich hatte Schwangerschaftsdiabetis. ("Nein, nur leicht erhöhte Zuckerwerte und du hast dich total verrückt gemacht", wirft mein Mann immer ein, wenn ich davon erzähle. "Ja, Schatz, ich war halt schwanger, das impliziert reinsteigern.") Außerdem grassierte dieser schlimme, damals noch ungeklärte EHEC-Virus und ich aß eigentlich gar nichts mehr, aus Angst, mir was einzufangen. Das Ganze war meinem Nervenkostüm, das ja bekanntlich eher so Bettlaken- als Dauenendecken-Niveau hat, NICHT zuträglich. Und meinem Mann auch nicht.

Er hat mich trotzdem geheiratet. Auch wenn die Anfahrt zum Kloster, wo die Trauung im Garten stattfinden sollte, uns fast noch davon abgehalten hätte: Es begann damit, dass ich gestiefelt und gespornt, also in voller weißer Montur vor unserem Haus stand und wartete: Darauf, dass mein Mann und meine Eltern mit dem Brautwagen um die Ecke biegen würden, um mich einzusammeln. Ich hätte auch gleich mit zum Parkplatz gehen können und hätte es auch besser getan, wollte aber meine gerade erst neu erworbene Nachbarschaft nicht mit meinem auffälligen Auftritt verschrecken. Man weiß ja nie. Heute, da ich sie kenne und liebe, wäre das natürlich kein Thema mehr.

Da stand ich also, bibberte in der kühlen Morgenluft und schaute misstrauisch auf die sich türmenden Wolkenberge am Himmel. Mit der einen Hand hielt ich mein Täschchen an die Brust gepresst und mit der anderen meinen Bauch. Meine jüngste Sorge war, dass ich unseren Theologen seit Tagen nicht erreicht hatte. Würde er kommen oder würden wir in zwei Stunden alleine vor versammelter Hochzeitsgesellschaft stehen... Ich übte schon mal eine Rede und ein kleines Liedchen - irgendwas muss man den Leuten ja dann bieten, wenn sie zum Teil viele Tausend Kilometer aus dem Ausland einfliegen und dann findet die Hochzeit gar nicht statt. Nach fünf Minuten rumstehen, Sorgen machen und leise "Ein Vogel wollte Hochzeit machen" trällern, begann ich mich vorsichtig zur fragen WOINALLERWELTMEINEVERWANDSCHAFTMITDEMAUTOBLIEBHERRGOTT!

Ein Mütterchen kam auf ihren Rollator gestützt vorbei, sah mich Streichholz mit rotem Gesicht und flammendem Haupthaar am Wegesrand stehen und fragte mitfühlend: "Kann ich Ihnen helfen?" Ja, wollte ich antworten. "Nehmen Sie mich mit, ganz egal wohin. Irgendwo hin. Oder, Moment, kennen Sie vielleicht einen Pfarrer, der uns spontan trauen könnte, nur für den Fall, dass unser Theolge nicht kommt? Oder wenigstens einen Chauffeur, falls mein Mann und meine Eltern auf den 50 Metern zum Parkplatz ins Bermuda-Dreieck gefallen sind."

Ich bremste mich im letzten Augenblick, schließlich hätte mir der Pfarrer ohne meinen Mann auch nicht viel genützt und piepste stattdessen: "Kennen Sie die zweite Strophe von "Ein Vogel wollte Hochzeit machen?" Sie lächelte in sich hinein und tätschelte mir liebevoll die Hand: "Ich wünsche Ihnen einen unvergesslichen Tag", sagte sie und ging davon. Den habe ich jetzt schon, dachte ich, als ich schweren Herzens mein Kleid raffte und mit so viel Würde wie möglich zum Parkplatz lief...

Das war natürlich erst der Anfang des steinigen Umweges, der uns am Ende unglaublicherweise doch noch vor den Traualtar führte, ohne dass ich aus Stress vorzeitig niedergekommen wäre. Weiter geht es im nächsten Post, wenn ihr mögt!!

Sommergrüße und Luftküsschen!

Eure Nachbarin

Freitag, 6. März 2015

Wenn's mal wieder länger dauert

Heute komme ich mal wieder auf das Ur-Thema dieses Blogs zu sprechen: Die Entschleunigung! Wer unser 24-Stunden-Chaos gelesen hat, wird mir beipflichten, dass entsprechende Bemühungen des letzten Jahres bisher nicht wirklich erfolgreich waren. Und das, obwohl ich abends später ins Bett gehe und wirklich viel weniger Zeit damit verbringe, in die Küche zu gehen und Schokolade aus dem Schrank zu holen. Kleinen Moment, bin gleich wieder da…

Danke - Schranke!
So! Wo war ich? Ah ja, Entschleunigung. Eigentlich befindet sich das perfekte Trainingslager hier direkt um die Ecke. Es bestimmt quasi den Puls des gesamten Dorfes (den es gerne mal hochtreibt), entscheidet darüber, ob man pünktlich oder wesentlich zu spät ins Büro, zum Nähkurs oder zur eigenen Entbindung kommt. Es stiftet Ehen, sorgt dann später für heftige Krisen und vereitelt dennoch jede Scheidung, weil es niemandem eine Chance lässt, jemals rechtzeitig beim Amtsgericht anzukommen. Die Rede ist vom Bahnübergang.

Sicher ist sicher

Man kann der Deutschen Bahn ja viel vorwerfen, aber was die Sicherheitsvorkehrungen an Übergängen angeht, sind sie wirklich genau. Sehr genau! Wenn sich in Koblenz um 12:45 Uhr ein Zug in Bewegung setzt, geht die Schranke runter. Sie bleibt unten, wenn dieser Zug 40 Minuten später am hiesigen Bahnhof hält. Und sie bleibt weiterhin unten, bis dieser Zug wieder 40 Minuten später in Köln einrollt… Zumindest fühlt es sich so an.

Dann öffnet sich die Schranke, um zwei Autos aus der Schlange durchzulassen, die sich im Normalfall bis hinunter zum Rhein, mittels Fähre hinüber zur anderen Flussseite und von dort hinauf ins Bonner „Vorjebirge“ schlängelt. Bevor der Fahrer des dritten Wagens hektisch seinen Campingtisch einklappen, den tragbaren Fernseher in den Kofferraum stellen und die Reste des Drei-Gänge-Menüs entsorgen kann, dass er in der Zwischenzeit zu sich genommen hat, geht die Schranke wieder zu.

Wohnungsangebot
Da der Fahrer dieses Autos das mittlerweile genau weiß - er muss öfter hier durch - bleibt er einfach an Ort und Stelle sitzen und flambiert in Seelenruhe seine Crème brûlée zu Ende. Hin und wieder kommt es vor, dass ein gehetzter Geist in der Reihe hinter ihm unruhig wird, weil er allen Ernstes glaubt, es könnte irgendwie schneller gehen, wenn man sich beeilt. Immer mal wieder kommt es deshalb zu Handgreiflichkeiten zwischen Alteingesessenen und Zu’groasten an der Schranke.

Wenn ich aus meinem Büro-Fenster schaue und mal wieder der Polizei-Hubschrauber über dem Dorf kreist gibt es nur drei Möglichkeiten. Erstens: Onkel Günnis Vogelspinne Esmeralda ist mal wieder abgehauen. Zweitens: Gemeine Diebe haben den Opferstock der Dorfkirche geplündert. Drittens und am Wahrscheinlichsten: Es findet die dritte Massenschlägerei des Monats an der Bahnschranke statt.

Zarte Bande an der Schranke

Die örtlichen Gewerbebetriebe haben sich indes gut auf die Situation eingestellt. Das Eiscafè am Bahnhof bietet unter dem Motto „Wenn’s mal wieder länger dauert“ einen riesigen Snickers-Eisbecher für zwei Personen an. Beliebt bei Pärchen, die zarte Bande an der Schranke knüpfen, wo das Leben sie auf wundersame Weise zum gleichen Zeitpunkt hingespült hat. Sie können ja nicht wissen, dass man bei diesem Bahnübergang niemals in ZeitPUNKTEN, sondern immer in langen ZeitRÄUMEN denken muss, und ihre Begegnung weit weniger schicksalhaft war, als sie sich das in ihrer Verklärung ausmalen.

Pommes Schranke und Snickers-Eis
Die Wurstbude "Bei Dieter" eins weiter bringt die "XXL-Pommes Schranke" im Zwei-Liter-Eimer mit Cola für 3,50 direkt ans Auto. Der Frisör wirbt damit, jedem Wartenden einen Haarschnitt inklusive Pflegepackung, sowie zusätzlich eine Mani- und Pediküre verpassen zu können, bevor die Fahrt weitergeht. Sollte er es nicht schaffen, kostet es keinen Cent. Ich glaube, er hat noch nie Minus gemacht.

Vor kurzem hat auf der Straße nun auch ein Wettbüro eröffnet. Hier wetten besonders gerne die Einheimischen mit Erfahrung. Zum Beispiel auf die Uhrzeit, zu der sich die Schranke das nächste Mal heben wird, die Anzahl der Autos, die dann durchkommen oder wie lange es noch dauern wird, bis der genervte Fahrer in Wagen sieben das einzig Richtige tut: Nämlich aus der Schlange ausscheren und die Unterführung in der Parallelstraße nehmen ;-)      

In diesem Sinne: Immer mit der Ruhe :-)

Eure Nachbarin

Montag, 8. September 2014

Die Felge

Mein Umfeld kennt mich als ruhigen besonnen Menschen mit Engelsgeduld und Nerven aus Stahl. (An dieser Stelle möchte ich bitte keine Kommentare enger Familienangehöriger lesen.) Nur manchmal, man kann diese Situationen im Jahr an einer Hand abzählen, erwacht das Rumpelstilzchen in mir, der Hulk schält sich aus seinem viel zu engen Anzug, die temperamentvollen Gene der Rothaarigen tanzen Samba...

Es kann eine Kleinigkeit sein, nach einer anstrengenden Woche (die Nudeln sind mal wieder übergekocht) oder aber eine größere Kleinigkeit. Wie vor einigen Wochen, als der Fahrer eines klapprigen Ford meine Tochter und mich fast umgenietet hat, während er mit 50 Sachen durch die verkehrsberuhigte Zone vor unserem Hauseingang jagte.

Möchtegern-Vettel

Okay, vielleicht ist er auch nur 30 gefahren, aber in der engen Gasse kam mir das wie 200 vor. Mindestens. Und hier ist Schrittgeschwindigkeit!!! Nicht auszudenken, wenn meine Tochter ein Stück weiter von mir weggestanden hätte. Und wenn es um meine Tochter geht, hört der Spaß auf. Dann werde ich zur Löwin und dann brülle ich. Zur Not überbrücke ich mit meiner Stimme kinderleicht die 50 Meter, die dieser Möchtegern-Vettel noch zurücklegte, um dann mit quietschenden Reifen auf dem Behindertenparkplatz zu halten.
In meiner Rage hatte ich mir mein Kind geschnappt und rannte, mit dem freien Arm wild gestikulierend auf den Rowdy zu, der sich als Mittfünfziger mit Wohlstandsbauch und offensichtlicher Zeitnot entpuppte. „Wie kommen Sie dazu, hier so rumzurasen, hier ist verkehrsberuhigte Zone“, schrie ich, bereits schwer atmend, auf den letzten zwanzig Metern. Währenddessen fing meine Tochter an zu jammern „Mama, nicht böse sein!“ Sie hatte den Ernst der Lage intuitiv erkannt. ER NICHT!

Er motzte irgendwas zurück, schüttelte uns ab wie lästige Fliegen, rannte zur Praxistür des ansässigen Arztes – wahrscheinlich auf dem Weg, seine Beruhigungspillen abzuholen (vielleicht hätte er mir eine Packung mitbringen sollen) - und warf sie mir vor der Nase zu. Also, die Tür. Besagter Tür schmetterte ich in meinem Frust ein Schimpfwort der Kategorie 'nicht für Kinderohren bestimmt' an den Rahmen und stand dann etwas hilflos, aber nicht weniger wütend auf der Straße rum.

Kleine Frau, was nun?

Sollte ich ihm hinterherrennen? Das wollte ich meiner ohnehin überforderten Kleinen nicht antun. Sollte ich auf ihn warten? Wie lange sollte das wohl sein. Also entschied ich mich, zu gehen, brauchte aber definitiv ein Ventil, denn mir stieg immer noch der Dampf aus den Nüstern, mein Puls auf 180. Als ich an dem uralt-Ka vorbeiging überkam es mich und ich trat einigermaßen kräftig gegen den Hinterreifen.

Also, ICH WOLLTE EIGENTLICH gegen den Hinterreifen treten. Leider bezieht sich meine legendäre Unsportlichkeit nicht nur auf meine schneckengleiche Performance beim Sprint oder die Gefahr für alle Zuschauer, die beim Weitwurf HINTER mir stehen… Ein Sportlehrer diagnostizierte beim Speerwerfen mal eine motorische Behinderung und tat seine Meinung auch vor der ganzen Klasse kund! Ganz offensichtlich hatte er Recht und letztere betrifft auch meine Hirn-Fuß-Koordination.

Anders kann ich nicht erklären, dass es plötzlich laut schepperte und die Felge am Boden lag. (Dass es gar nicht die Felge war, sondern die Radkappe, erklärte mir später mein Mann, ich bin in solchen Sachen nicht so firm). Als also Raser-Rowdy kurz darauf aus der Praxis kam (war ja klar), sah er mich und meine Tochter am Boden knien, in dem erfolglosen Versuch, das abgesprungene Ding wieder „dranzunageln“.

"Was brüllen Sie die Frau so an??"

War seine Laune schon vorher nicht auf dem Höhepunkt, sackte sie jetzt in den Keller ab und er blaffte mich an. „Was haben Sie denn da gemacht???!!“ „Ich äh, also ich habe Ihnen die Felge abgetreten!“, stotterte ich etwas betreten. „Ja, haben Sie sie noch alle???“ plusterte er sich auf. „Wat haben Sie an meinem Auto verloren??“ – „Was brüllen Sie die Frau so an??“, kam unerwartet weibliche Schützenhilfe von der rechten Seite, eine Dame aus der Nachbarschaft hatte die Szene beobachtet.

So langsam wurde ich auch wieder wütend und schob mein schlechtes Gewissen zur Seite. „Was haben Sie hier so rumzurasen, wie ein Verrückter?“, fauchte ich gerade, als im ersten Stock das Fenster aufging: Meine Freundin hatte das Wortgefecht gehört und rief nun von oben: „Lassen Sie ja die Frau in Ruhe!“ Ich sagte zu ihr: „Haste gesehen, wie der hier reingerast ist?“ Sie natürlich: „Ja, klar!!“ Ich hätte sie küssen können, und mich überkam plötzlich tiefe Gelassenheit.

Ich ließ meinen Blick demonstrativ über das auf dem Behindertenparkplatz geparkte Auto wandern und sagte ruhig: „Ok, dann holen wir jetzt die Polizei!“ Kurz huschten meine Gedanken in Richtung vorbestraft wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung, Sozialstunden, Knast, Jugendamt, völliger sozialer Absturz, Trunksucht und Obdachlosigkeit… dann hatte ich mich wieder gefasst und blickte ihm fest in die Augen.

Er sah von mir zu meiner Freundin im ersten Stock. Dann drehte er sich abrupt um, warf seine Felge (also seine Radkappe) in den Kofferraum und ranzte: „Ich hab ja wohl noch anderes zu tun heute! Termine!“ und war weg. Leider ebenso schnell wie er gekommen war. Unbelehrbar so was. Aber irgendwie war ich zu erleichtert, um mich nochmal aufzuregen. Mit einem warmen Dankeschön, winkte ich meiner Lieblingsnachbarin zu, nahm mein Töchterlein an die Hand und ging endlich meiner Wege.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Wer bin ich und wenn ja wie viele?

Oh noooo! Gonzo, unsere Schlafzimmerspinne, hat 40 (!) Babys bekommen. Und ich dachte, der wäre schwul!! Was mach ich denn jetzt? Wenn die alle wachsen und so groß werden wie Gonzo (oder eher Gonza)... Und wenn die dann alle im Schlafzimmer wohnen... Da bekommt der Begriff "Familienbett" eine ganz neue Bedeutung. Help! Kennt jemand ein pazifistisches Mittel? Also eins, das keine Nutzung von Haarspray oder Turbostaubsaugern beinhaltet?

Ich liebe nämlich die Natur, also, wenn sie nicht ganz so zahlreich ist... Schluck!!

Sonntag, 29. Juni 2014

Pasta alla Nachbarin

Jeder Mensch braucht ein Hobby. Ich habe auch einige: Kochen gehört nicht dazu. Wie ich schon mal anmerkte, ist die Voraussetzung beim Kochen am Herd stehen zu bleiben, für mich vergeudete Lebenszeit. Dementsprechend enden meine unmotivierten Experimente gerne im Desaster. Schuld sind der Herd, die Zutaten, das ungenaue Rezept, meine Tochter, das Telefon, der DHL-Mann, ein dringendes Bedürfnis. Mein Mann sieht das etwas anders: "Du kannst es einfach nicht!"

Jetzt ist es ja nicht so, dass ich ein Neuling auf dem Gebiet bin. Spätestens nach dem Umzug vom Kinderzimmer ins Wohnheimzimmer mit zwei Kochplatten, war ich zu ersten kulinarischen Gehversuchen gezwungen. Denn das Budget reichte einfach nicht für die tägliche Bestellung beim Pizzamann. Auch diese Phase gab es - später. Da ich nicht nur ungern koche, sondern zudem nicht auf Haute Cuisine stehe, habe ich auch keinen inneren Antrieb etwas an der Situation zu verbessern. Meine Tochter isst ohnehin nur Nudeln. Mein Mann ist ohnehin nie zufrieden. Also Nudeln.

Jetzt sollte man ja meinen, das würde sogar ich unfallfrei hinkriegen. Weit gefehlt. An diesem Tag haben wir Gäste, es gibt also Nudelsalat á la Chefkoch.de. Meine Tochter darf im Rewe zur Feier des Tages die Sorte auswählen und natürlich werden es die: "Schmetterlinge!" "Oh Gott", denke ich, "die hab ich ja noch nie gekocht!" (Ich kann nur Spaghetti und die kleinen kurzen Röhrchen). Das geht in die Hose! Hab ich schon gesagt, dass ich eine "Halb-Leer-Persönlichkeit" bin?!

Außerdem ist nur noch ein Paket da und ich brauche 800 Gramm, sagt Chefkoch. "Süße, wie wärs denn mit den schönen Röhrchen?" "Nein, die Schmetterlinge!!!" Okay, bevor ich eine lautstarke Diskussion riskiere über Nudelsorten im Allgemeinen und Mütter, die einem nie, aber auch NIE, einen Wunsch erfüllen, krieche ich kurzerhand ins ebenerdige Regalfach und angele mit spitzen Fingern eine einsame Tüte aus den Tiefen, die seit drei Jahren da hinten rumgammelt: Mindesthaltbarkeit 08/2011. Egal, das muss reichen, entscheide ich.

Zum Kochen wähle ich bewusst einen sturmfreien Moment. Kind in der Kita, Mann in der Arbeit. Schon das Öffnen der zweiten Packung erweist sich als tückisch. Vorsichtig ziehe ich an der Sollbruchstelle. Nichts! Eine Schere? Nicht unter drei Schritten erreichbar. Ich ziehe etwas fester und die Tüte reißt. Ein Drittel des Inhalts ergießt sich unerreichbar zwischen Arbeitsplatte und Fensterbank. Der Mehlwurm an der Küchendecke klatscht begeistert Beifall und ich denke freudig: "Perfekt! Ich brauche ja eh nur 300 Gramm."

Ich nehme einen großen Topf und fülle ihn zwei Fingerbreit mit heißem Wasser. Dann stelle ich ihn auf die Kochplatte und den Herd auf zehn. Das restliche Wasser erhitze ich im Wasserkocher. Geht schneller und ist umweltschonender. "So unschlau bin ich gar nicht", denke ich, bis ein gewöhnungsbedürftiger Geruch meine Nase kitzelt. Da meine Tochter außer Haus ist, kann es sich nur um eines handeln: Ich habe die falsche Herdplatte angestellt. Schon wieder! Die, auf der noch die schicke folienbeschichtete Glasplatte draufliegt, die nun fröhlich vor sich hinkokelt. Mist! "Mit Induktion wäre das nicht passiert", denke ich, während ich das Ding fluchend von Ceranfeld reiße. "Mit Gehirn auch nicht", flüstert mir eine imaginäre Stimme zu. Ich glaube, sie gehört meinem Mann.

Nach ein paar Minuten kann ich den ersten Erfolg vermelden: Beide Wassereinheiten werfen Blasen. Ich bin ein bisschen stolz! Aber jetzt wird es heikel, denn es geht ums Salzen! Wirklich, ich kann zwei Tassen Salz in mein Nudelwasser kippen, am Ende schmecken sie trotzdem nach nichts. Ich versuche es mit drei Löffeln voll ins sprudelnde Nass und kippe die Nudeln gleich hinterher. Alle! Oh, da war der Topf doch etwas zu klein. Weitere 100 Gramm verabschieden sich in Richtung Fensterbank, vom Wasser ist nichts mehr zu sehen, dafür türmen sich trockene Nudeln bis kurz unter den Topfrand. Da muss ich wohl noch Wasser nachgießen...

Irgendwie schaffe ich es, die Schmetterlinge zum Kochen zu bringen. Vorsorglich lege ich einen Holzlöffel unter den Deckel, damit Luft reinkommt. Vielleicht habe ich ja mal Glück und es läuft nicht über, denke ich. Nun geht es um die restlichen Salatzutaten. Mit wachsender Begeisterung zerteile ich Kirschtomaten. Nach jeder werfe ich einen Blick auf den Kochtopf, ob das Wasser auch ja nicht an der Seite rausblubbert. "Au!" schimpfe ich und mein Zeigefinger wandert in den Mund. Da habe ich in meinem Kontrollwahn wohl doch zu oft Richtung Herd geschaut. Während ich hektisch im Küchenschrank krame und ein Pflaster hervorziehe, kocht das Nudelwasser über. Ich bin fast erleichtert.

Außer Kirschtomaten braucht der Salat auch noch getrocknete Tomaten in Öl. Wat mut dat mut. Also schön zerteilen, alles trieft  und tropft. Ich sehe aus, als wäre meine Tochter doch im Haus. Aber irgendwann ist es vollbracht ich und verfrachte die ölige Masse in das Nudelsieb, denn da sind schon die Kirschtomaten drin. Das denke ich zumindest. Bei näherem Hinsehen sind es leider die Erdbeeren für den Nachtisch, jetzt mariniert in Knoblauch und Olivenöl. Gleich gehe ich an den PC und google, ob es vielleicht ein Rezept für diese Mischung gibt. Vielleicht hätte ich mir vorher die Hände waschen sollen, aber eine neue Tastatur ist eh überfällig.  Etwas ernüchtert stelle ich fest, dass man ja viel mit Erdbeeren machen kann, Knoblauchmarinade ist aber wohl doch zu experimentell. Schade!

Just in dem Moment fallen mir siedendheiß die Nudeln ein. Bissfest sollten sie sein, laut Rezept, jetzt nach 40 Minuten kann man sie allenfalls noch pürieren. Entkräftet kippe ich alles in den Bioeimer und als die Gäste kommen, verkünde ich fröhlich, dass wir einen ganz tollen, neuen Pizzamann um die Ecke haben - da werde ich jetzt bestellen. Und zum Nachtisch gibt es Kirschtomaten mit Sahne. Was anderes haben sie auch nicht erwartet.

Montag, 16. Juni 2014

Schwarz-Rot-Messing

Jetzt kommen sie einem wieder entgegen: Autos mit schwarz-rot-goldenen Ohren, Menschen mit schwarz-rot-goldener Kriegsbemalung. Im meinem Fall auch gerne mal vor dem Spiegel. Ich meine, was bietet sich besser an zum Feiern, als eine WM? Dabei geht es auch um Fußball, aber zuallererst um dieses Gemeinschaftsgefühl, "Deutschland ein Sommermärchen". Und: Wir sind gar nicht so deutsch, wie wir aussehen... eigentlich mehr so die Brasilianer Europas und so weiter. Das tat gut 2006 und das tut gut, acht Jahre später. Wenn's auch nur vier Wochen dauert.

Aber, liebe Leute, musste das eigentlich sein? Ich meine, wer hat sich das ausgedacht? Schwarz-Rot-Gold??? Was ist denn das für eine Kombi? Schwarz und Rot geht schon mal gar nicht. Das fand ich schon als Kind, als ich den Teufel wegen Unästhetik aus dem Kasperletheater verbannte. Aber dazu noch dieses "Gold"! Hallo? Das ist vielleicht Senfgelb - sieht irgendwie ökologisch abbaubar aus...

Jetzt darf man mir gerne mangelndes nationales Bewusstsein vorwerfen, aber schön ist das nicht. Es gibt so tolle Flaggen! Schweden zum Beispiel oder Griechenland, das ist frisch, das ist luftig, wie es halt zu so einer Fahne passt. Union Jack und Stars and Stripes schaffen es ja mittlerweile sogar auf Möbel und Sofakissen. Der absolute Hit aber ist - ihr werdet es schon erahnen - die Flagge von Mikronesien. Sterne gehen so was von im Moment. Und dann noch dieser himmelblaue Untergrund, da möchte man gleich eine Blumenkette draus klöppeln. Zum Beispiel fürs Halbfinale Deutschland-Italien, bei dem wir dann rausfliegen. Aber nein, es muss eben Schwarz-Rot-Gold sein. Eigentlich ist es auch nicht "Gold", sondern Messing, wie Professor Wikipedia auf Anfrage erklärt. Hörte sich aber wohl nicht so prall an: Schwarz-Rot-Messing. Wer es genauer wissen will: Das Farbtrio geht auf einen Freiwilligenverband der preußischen Armee zurück. Studenten aus allen Ecken Deutschlands, die gegen Napoleon marschierten. Sie kamen in unterschiedlichsten Klamotten und deshalb wurde erstmal alles schwarz eingefärbt, um eine Art Uniform zu generieren. Dann noch rote Aufschläge und Messingknöpfe - fertig war die Deutschlandflagge.

Dass das nicht nur ästhetisch fragwürdig ist, sondern auch zu unerwarteten Verwicklungen führen kann, erlebte ich kürzlich. Wieder einmal traf sich der Elternbeirat am lauen Sommerabend im Garten, da kam eine Mutter zwischen den Stauden hindurch und produzierte Sorgenfalten auf die Stirne der Anwesenden. War sie gefallen? In eine Schlägerei geraten? Vielleicht sogar ein Fall fürs Frauenhaus? Eine große verschorfte Wunde prankte auf ihrem Wangenknochen. Ich traute mich nicht zu fragen, das erledigte eine forschere Kollegin. Und noch während das Fragezeichen in der gespannten Luft hing und ich ihren irritierten Blick sah, dämmerte mir: Es ist WM, wenn man sich schwarz-rot-goldene Streifen auf die Wange malt, das Gold sich verflüchtig und der Rest verschmiert... können ganz schnell Gerüchte die Runde machen.

Leider nimmt Mikronesien mit seiner schönen Flagge nicht an der WM teil, also muss man damit leben. By the way, was ist eigentlich Mikronesien? Ich frage meinen Mann, der weiß so was, und auch wie die Hauptstadt heißt. Manchmal machen wir so ein Spiel. Ich sage: Aserbaidschan und er sagt Baku, ich sage Sierra Leone und er sagt Freetown, ich sage Missouri und er verdeht die Augen: "Das ist ein Fluss!" "Ach so."

"Was habt ihr eigentlich in der Schule gelernt", fragt er, der türkische und britische Bildung genossen hat. "Weiß ich nicht mehr", nuschele ich. Und erinnere mich an meinen Erdkunde-LK. Da haben wir in der 12 Klasse mal ein Quiz gemacht: Länderraten. Einer fragte: "Insel in der Karibik?" Alle schrien begeistert: "Hawaii!" Er: "Richtig!" Der Lehrer versank fremdschämend hinter seinem Pult.

Was der wohl zum Thema Mikronesien gesagt hätte? "2.000 tropische Inseln im Pazifischen Ozean. Bikini-Atoll! Na, schrillt da was? - Nee, hat nix mit Ballermann zu tun, ihr Flaschen! Atomwaffentests der USA!!" Oje, stimmt. Aber auch - und das muss gesagt werden -Trillionen Quadratkilometer unberührte Natur, Vielfalt der Kulturen, blaue Lagunen, Taucherparadies. Ich glaube nicht, dass die 'ne WM brauchen, um sich wohlzufühlen...

Montag, 9. Juni 2014

Schenken 2.0

„So ein schöner Wunschzettel“, mailte mir meine Mutter kürzlich anerkennend. Worte, die ich zuletzt 1985 in der Grundschule vernahm, als ich krakelig, aber hingebungsvoll und mit viel Glitter an das Christkind schrieb. Meine Mutter würdigte in ihrer Mail weniger die Optik meines aktuellen Wunschzettels – eine diesbezüglich kaum beeindruckende Amazon-Wunschliste - als den Inhalt. Standen '85 Puppe, Blockflöte und Bollerwagen auf dem Zettel, sind es jetzt eine Patchworkdecke, Bastelfilz in zehn Farben und ein Vintage-Außenthermometer.

Noch schöner als beschenkt zu werden, ist das Schenken. Allerdings hat mein Enthusiasmus in Zeiten besagter Amazon-Wunschlisten merklich abgenommen. Nicht nur, dass man sich keine (liebevollen) Gedanken mehr machen muss/darf. Das was da manchmal - vor allem bei den Herren - draufsteht, wirkt nicht wirklich inspiriert.

Für Y-Chromosom-Träger kommt die Frage nach Geburtstagswünschen Jahr für Jahr völlig überraschend und unvorhergesehen. Bekam man in Analog-Zeiten höchstens mal ein genuscheltes „ich brauch nix“ zu hören, gibt es ja heute Amazon. Zwei, drei Klicks und schon hat man sich irgendwelche Geschenkideen aus dem Hirn gesaugt, die wirken, als habe sie der Betreffende beim letzten Samstagseinkauf einfach vergessen.

Bei meinem Bruder - herzlichen Glückwunsch nachträglich - hatte ich kürzlich auf dem bereits abgegrasten Wunschzettel noch die Wahl zwischen einem „Soft Grip Baby Boa Strap Wrench“, einem „Brennenstuhl 1508100 Adapterstecker Euro 2 mit Schutzkontakt 1 mit Schalter“ und einem „Original 05500 maxxcuisine Überkochstopp rot/schwarz“. Ich entschied mich schließlich für das Produkt mit den meisten Buchstaben. Nein, nicht die Bibel, sondern einen Eierschalensollbruchstellenverursacher. Ich hoffe, ich kann ihm damit einen Lebenstraum erfüllen und gehe in irgendwelche Annalen ein…

Nicht, dass es nicht noch schlimmer geht. Mein Mann hat sich zu Weihnachten DVD-Hüllen gewünscht. Ich habe ihm dann 50 Stück bestellt, damit es sich wenigstens lohnt. Liebevoll verpackt und mit silbernen Schleifchen dekoriert lagen sie dann unterm Weihnachtsbaum. Seinen Freudenschrei werde ich nie vergessen. Er meint ja, es sei eher Entsetzen gewesen, weil er nur fünf gebraucht hätte. Egal.

Jedenfalls lagen in seinem Geschenkeberg unter anderem noch ein „40x 20cm Male - Female jumper Kabel Steckbrücken Arduino“, ein „EDIMAX EW-7811UN
Wireless USB Adapter, 150 Mbit/s, IEEE802.11b/g/n“ und ein „D-Link DUB-H7 HUB USB 7P 7xUSB-A/B 1xUSB-B/B + Kabel + Stromversorgung“ . Da geht einem doch das Herz auf! Das Leuchten in seinen Augen werde ich nie vergessen. Zum Geburtstag einen Monat später gab es dann, romantisch wie ich bin, den "Raspberry Pi RBCA000 Mainboard (ARM 1176JZF-S, 512MB RAM, HDMI, 2x USB 2.0, 3,5 Watt)“. Klingt so schön nach Himbeeren, ist aber eine Mini-Platine. Damit war mein Budget erschöpft - und ich auch.

In meiner Jugend war das irgendwie einfacher. Da verschenkte ich wahlweise CDs (braucht heute keiner mehr, kann man ja runterladen), Bücher (braucht auch keiner mehr, kann man ja auch runterladen) und Cool Water. Ob das noch einer braucht, weiß ich nicht, aber der Typ in der Werbung hatte was, was gerne auf den jeweiligen Lebensabschnittsgefährten abfärben durfte. Da mein Mann aber mit James Ford locker mithalten kann, reicht hier mittlerweile Deo aus. Und das zum Geburtstag, naja…

Aber wenigstens gibt es ja noch die lieben Kleinen, die sich auch heute noch Puppen, Blockflöten und Bollerwagen wünschen. Dachte ich. Als ich meine Tochter im Frühjahr beim Blick in den Spielzeugkatalog fragte, was sie sich zu Ostern wünsche, tippte sie begeistert auf einen Artikel und ich las mit Grauen “Simba 106330277H - Art and Fun Magic Drawing Board, blau”. Vielleicht sollte ich mich wieder an meinen nachhaltigen Upcycling-Vorsatz erinnern, nur eigene Sachen weiterzuverschenken.

Sonntag, 2. Februar 2014

Der entschleunigte Familiensonntag

Die Nacht endete an diesem Sonntag etwas abrupt um sieben Uhr mit dem beunruhigenden Geständnis meiner Tochter: "Ich habe ein Baby in meinem Bauch." Ich war wohl noch im Halbschlaf. Anders ist nicht zu erklären, dass ich plötzlich senkrecht im Bett saß: "Wie schwanger? Vom wem? Kind, du verbaust dir dein Leben!" Als endlich auch mein Geist erwachte, schaute ich in die besorgten Kulleraugen meiner 2-Jährigen und atmete langsam aus. Ich hatte wohl etwas überreagiert.

Freundlich interessiert fragte ich sie: "Wie heißt denn das Baby!" - "Matschehose!", kam es ernsthaft und wie aus der Pistole geschossen zurück. "Ähhhh? Aaahh!!", machte ich. "Das ist nämlich gar kein Baby, das ist ein Monsterbaby!" Ach so, das erklärt natürlich einiges... 'Manchmal haben Late-Talker ja schon was für sich', dachte ich, bevor ich etwas ermattet zurück in die Kissen sank. Mein entschleunigter Familiensonntag hatte begonnen.

Ja, Entschleunigung ist immer noch ein Thema. Ich hatte es nur in den letzten Wochen vor lauter Stress vergessen... Aber wer sagt, dass man alle Vorsätze gleich im ersten Monat umsetzen muss. Die Bilanz für Januar lautet: Ich habe einen Tag lang immer alles gleich erledigt. Ich habe immer brav Mittagspause gemacht und hin und wieder auch was gegessen. Ich war einmal im Fitnessstudio. Ich hatte einen tollen Wellnesstag mit meinem Mann. UND:

Ich habe es sogar einmal für fünf Minuten geschafft, ganz im Moment zu sein. Das war als meine Tochter übers Bett gekotzt hat... Alle weiteren Termine hatten sich danach für den Januar erledigt, so dass dieses Event wirklich am nachhaltigsten zur Entschleunigung am Jahresbeginn beigetragen hat. Wie das allerdings so ist mit Terminen: Aufgeschoben ist eben nicht aufgehoben. Und deswegen könnte es in den nächsten Monaten etwas eng werden.

Samstag, 1. Februar 2014

Bin ich das?


Als ich gestern beim Duschen mal genauer aufs Duschgel geguckt habe, wurde mir zwar irgendwie anders, aber das habe ich auf die Magenverstimmung geschoben, die ich vor Kurzem hatte. Aber so langsam mache ich mir Sorgen: Heute habe ich mir Anti-Verfärbetücher für die Waschmaschine gekauft und dann das!! Hab ich was verpasst???

Dienstag, 28. Januar 2014

Wer bist Du denn?

Ich bin keine Bilderbuchnachbarin! So, jetzt ist es raus. Ich hab schon mal vergessen, die Mülltonne vors Tor zu stellen, die Treppe könnte auch mal wieder geputzt werden und als kürzlich die Vermieterin mit Kind und Magen-Darm-Grippe im Flur stand, habe ich schnell die Tür zu gemacht und nur noch per Whatsapp mit ihr kommuniziert... (Hat uns übrigens nichts genützt.)

Viel schlimmer aber ist: Ich grüße nicht! Jedenfalls nicht jeden. Arroganz? Sagt man mir hoffentlich nicht nach. Oberflächlichkeit? Dann würde ich mich hier nicht outen. Nein, tatsächlich ist es mein sagenhaft schlechtes Gesichtergedächtnis. Wirklich wahr, ich kann mich heute sehr nett mit Leuten unterhalten und morgen an ihnen vorbeilaufen, wenn ich sie nicht näher kenne. Werde ich dann gegrüßt, bin ich oft so verwirrt, dass ich gar nicht dazukomme, zurück zu grüßen und mein beschämter Blick nur noch einen Rücken trifft.

Tatsächlich bin ich beim Wiedererkennen auf Dinge angewiesen, die das Gesicht ergänzen. Der Gang, der Haarschnitt - oder der Hund! Hunde kann ich mir super merken, die haben ja viele Haare. Gut ist auch Berufsbekleidung: Die Bäckereifachverkäuferin erkenne ich immer und auch die Kassiererin beim dm. Aber wehe ich treffe die eine in Zivil beim Brötchenholen oder die andere am Duschgel-Regal...

Mein Mann bringt in geselliger Runde gerne die folgende Geschichte, die Gott sei Dank schon ein paar Jahre her ist.Wir waren auf Reportagetour in einem Ökokloster. Morgens trafen wir auf den Biobäcker, der gerade von der Frühschicht kam und auch so aussah. Wir machten einen Termin für den Nachmittag aus. Er wollte uns die Backstube zeigen. Als wir um 15 Uhr an die Tür klopften, öffnete ein hochgewachsener Mann mit Kutte. Ich fragte ihn freundlich, wo ich denn den Bäcker finden könnte, während mein Mann fast zusammenbrach: Er hatte den Bäcker natürlich auch im schwarzen Habit erkannt.

Jetzt habe ich endlich zum letzten Mittel der Verzweifelten gegriffen: GOOGLE! Und ich habe Folgendes erfahren. Erstens: Die meisten Leute können sich Gesichter gut merken, dafür keine Namen. Okay, auch nicht schön. Zweitens: Sogar Schimpansen können sich gut Gesichter merken. Na danke... Drittens: Frauen können sich besser Gesichter merken, als Männer. Das bedeutet also, ich stehe irgendwo auf dem Level eines testosterongesteuerten Schnurrbarttamarins. Das macht Mut! Denn es kann nur besser werden.

Den ein oder anderen Tipp habe ich im Internet dann doch gefunden: Wie beim Namenmerken sollte man versuchen, auch beim Gesichtermerken Assoziationsketten zu bilden. Je lustiger und unwahrscheinlicher, desto besser. Ich beginne bei Nachrichtensprechern und so langsam macht es mir Spaß.

Ich frage mich zum Beispiel, ob schon mal jemandem aufgefallen ist, dass einer der n-tv-Sprecher ein Prozentzeichen im Gesicht hat: Muttermal, schräge Augenbraue und linkes Auge. Den erkenne ich garantiert wieder! Ansonsten sehe ich mit dieser Methode haufenweise Bulldoggen, Königspudel und Dackel. Nicht schmeichelhaft, aber hilfreich. Mit Hunden kenne ich mich schließlich aus!

Montag, 20. Januar 2014

Echtes Workout

Es ist so krass. Gerade zwei Wochen nach dem Urlaub und ich fühle mich morgens mal wieder, als hätte mich eine Dampfwalze überfahren: Total platt! "Da hilft nur eins", sagt mein Mann. "Was denn? Schokolade?", antworte ich hoffnungsvoll. "Nee, Fitnessstudio!" Boah, das kann doch nicht sein Ernst sein?! Aber da mein Mann meistens Recht hat und sich dazu selbst jede Woche zur Muckibude schleppt, beschließe ich spontan: ich machs.

Lange ist es her, seit ich das letzte Mal einen Fuß in so einen Fitnesstempel gesetzt habe und ich gestehe, ich hab es nicht vermisst. Aus meinen Sportsachen bin ich seitdem etwas herausgewachsen und in Leggins wird mich dort niemand sehen. Bleibt nur eine Pyjamahose. Es wird eh peinlich, also ist das auch schon egal. Immerhin habe ich noch diese Angeberlaufschuhe. Hundert Euro im Sonderangebot vor vier Jahren und dann einmal gejoggt...

Im Pyjama - wenn ich die Hose anziehe, kann ich auch gleich das Oberteil dazu anziehen, habe ich mir gedacht - schwinge ich mich auf den Crosswalker. Der will nicht so, wie ich will. Statt einfach anzufangen, soll ich erst Alter und Gewicht eingeben. Ich schaue mich vorsichtig um, niemand in der Nähe - und gebe 25 und 55 ein. Das Display blinkt hektisch und piepst: "Error". Unverschämt!

Damit ich nicht noch mehr Aufsehen errege, drücke ich auf "Pause" und laufe einfach los. Wer braucht schon Widerstand - den hab ich zu Hause genug, wenn ich versuche, meiner Tochter Schal und Mütze anzuziehen. Nach 15 Minuten bildet sich ein Schweißtropfen auf meiner Stirn und ich beschließe: Ich bin jetzt aufgewärmt. Ab an die Geräte!  

Weil die so kompliziert aussehen (das kann sich nur ein Mann ausgedacht haben), greife ich zunächst nach zwei 3-Kilo-Hanteln. Und plötzlich ist die Erinnerung wieder da: "Füße hüftbreit hinstellen", kommandiere ich mich selbst. "Hehe, du kannst doch gar keinen Spagat", kichert eine hämische Stimme in meinem Kopf. Na danke, so was brauche ich jetzt.

Aber dann klappt es tatsächlich ganz gut. Ich stelle ohne größere Quetschungen, die Geräte ein und trainiere. Drei Durchgänge à zwölf Wiederholungen pro Gerät. Der Atem geht, wie er soll (ausatmen beim Anspannen - ich finds unlogisch). Und, es tut noch nicht mal weh! Irgendwie komme ich mir kräftiger vor als damals. Und damit meine ich nicht ausschließlich das Fett.

Eigentlich klar, man wächst mit seinen Aufgaben. Von 3.100 Gramm zu derzeit 15 Kilo pirellimäßig verpacktes Lebendgewicht in Rosa. Durch die Gegend schleppen... ziehen, festhalten, hochstemmen usw. Je nachdem wie meine Tochter so drauf ist. Echtes Workout und ich habs gar nicht gemerkt!

Samstag, 18. Januar 2014

Aua Wellness oder Zu viel Information

Sieben Uhr morgens, Wochenende und mein Rücken ist ein BRETT. An Liegenbleiben ist nicht mehr zu denken. Gestern haben wir Wellness gemacht. Im Sinne der Entschleunigung und im Sinne des uralten Gutscheins, dessen Ablauf drohte. Wellness mit Massage! Und es kam wie es kommen musste.

Masseurin: „Boah, Sie sind aber verspannt. Knirschen sie nachts mit den Zähnen?“ Ich: „Äh, hab ich noch nicht gehört.“ Masseurin: „Also, die sanfte Massage, die sie gebucht haben, können wir vergessen, da muss ich richtig ran. Haben Sie Stress???“ Ich: „Nun ja…“ Sie: „Ihr ganzer Rücken ist komplett verspannt. Das kommt vom Po, sie spannen den Po an.“ Darf man das nicht? In dieser Frauenzeitung stand, man soll... „Ihre untere Wirbelsäule ist deformiert. Das Kreuzbein steht raus.“ GOTT SEI DANK - dann bin ich ja gar nicht selber schuld. Puh!

Und dann kommt das obligatorische Gespräch. Kennt das jemand oder ist das eine Berufskrankheit der Journalistin? Egal, ob Frisörin, Steuerberaterin oder Physiotherapeutin. Nach einem Termin kenne ich ihr ganzes Leben. Mein Mann sagt, ich soll nicht so viel fragen. Unser Ex-Kinderarzt hat mich mal fast rausgeschmissen, als ich im Sprechzimmer einen Zettel mit „weiteren Fragen“ aus der Tasche zog… Aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls greifen solche Gespräche bedenklich in meinen Alltag ein. Als ich kürzlich  Essigreiniger auf die Einkaufsliste schreiben will, fällt mein Blick auf unseren Kühlschrankmagneten aus Antalya. „Hat nicht letztens die Frisörin erzählt, ihre Oma in Izmir ist schon über 100… In Japan werden die Leute ja auch so alt… Das liegt bestimmt an der Ernährung…  Meeresfrüchte…“ Und prompt steht „Meeresfrüchte“ auf der Liste. Im Supermarkt weiß ich dann natürlich nicht mehr, was ich eigentlich kaufen wollte. Meeresfrüchte sicher nicht. Ich kann definitiv nichts essen, was dermaßen nach Dschungelcamp-Prüfung aussieht. Gesundheit hin oder her.