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Donnerstag, 14. Januar 2016

Leben am seidenen Draht


Vor Kurzem war es wieder da: Das Gefühl, dass hier irgendetwas faul ist. Meine Kollegin in Bonn spürte es auch und unkte schon etwas von einem Mobbing-Angriff auf Rothaarige. Vielleicht ist es aber auch das neue Jahr, dem sämtliche technische Errungenschaften zum Opfer fallen... ohne dass darüber in den Medien berichtet wird... weil denen auch grade der Redaktions-PC abstürzt. Oder es ist eine höhere Macht, die mir mitteilen will, dass ich einfach spontan ins Wochenende gehen soll...

Montag, 6. Juli 2015

Nä wat schön: Andenken an die Reise


Paris - wir kommen, eilen, fliegen. Nachdem ein Familienurlaub auf dem Bauernhof meine Sehnsucht nach Romantik nicht ganz befriedigt hat, muss es jetzt die volle Dröhnung sein.

Montag, 1. Dezember 2014

Weihnachten auf dem Märchenschloss oder das Osterhasen-Trauma

Kürzlich habe ich mich mit meiner Freundin Marisol über frühe Kindheitserinnerungen unterhalten. So mit fortschreitendem Alter kommen die ja langsam wieder. Eigentlich sollen sie ja erst so ab dem  dritten Lebensjahr langsam einsetzen. Als Mutter finde ich das manchmal traurig: Die Maus wird sich nicht an ihren ersten Tag am Meer erinnern oder an den ersten Schnee. Andererseits aber auch nicht an den Tag, als ich sie mit einem dieser kribbeligen Kopfhaut-Massage-Dinger erschreckte und sie sich die Stirn an der Tischecke aufschlug. (In der Notaufnahme waren sie sehr nett und die Narbe ist schon fast verheilt…)

Eine von vielen Erinnerungsboxen...

Im Gespräch mit Marisol kamen wir darauf, dass wir zwar frühe Erinnerungen haben, ABER ja nicht wissen können, ob es echte Erinnerungen sind ODER Erinnerungen an Erzählungen ODER Erinnerungen an Erinnerungen. Könnte ja auch sein! Wenn ich mich an meinem dritten Geburtstag mit meinem Kurzzeitgedächtnis an etwas erinnere, dass ich mit - sagen wir Zweidreiviertel - erlebt habe und mich dann mit Dreieinhalb daran erinnere, an was ich mich an meinem dritten Geburtstag erinnert habe und so weiter und so fort… kommt doch am Ende eine astreine Erinnerung bei raus!

Superacht versus Smartphone

Jetzt hatten wir Ende der siebziger Jahre ja nicht die mediale Gedächtnisstütze, die die Kids von heute haben. In jedem Lebensmoment steht doch irgendeiner daneben, der das Ganze mit dem Smartphone als Video oder wenigstens im Bild festhält. Über uns gab es höchstens noch einen wackeligen Superachtfilm. Und mit „einen“ meine ich „einen“. Immerhin weiß ich dadurch, dass ich als Einjährige im Ungarn-Urlaub fast mal von der Schaukel gefallen wäre…

Unsere Tochter liebt es, sich Videos von sich selbst anzuschauen (heiliger Egozentrismus) und gibt ihrer Erinnerung damit immer wieder einen neuen Anstoß. So weiß sie auch noch, dass sie sich mit eineinhalb das Bein gebrochen hat (Gips bis zur Hüfte). Wenn man sie fragt, welches Bein und wo genau, kann sie es schneller und präziser zeigen, als wir.

Marisol meint übrigens, sie hat nicht ganz so viele Kindheitserinnerungen. Sie ist auch ein paar Jahre jünger als ich – also zwei. Je mehr ich so über meine ersten Lebensjahre nachdenke, desto mehr fällt mir wieder ein. Vielleicht habe ich aber auch nur eine blühende Fantasie (Krebsgeborene und so). Ein frühes Bild habe ich zum Beispiel von einer Amsel, die vor unserem Küchenfenster an einer mit Körnern gefüllten Kokosnuss schaukelt. Ein Foto gibt es davon nicht. Vielleicht ist es also eine Erinnerungen ersten Grades.

Ok, ein Foto gibt es offensichtlich doch. Mist! Aber in meiner Erinnerung war es eine Amsel. Wirklich!!

Das Osterhasen-Trauma

Aus der Kindergartenzeit habe ich dann schon richtig viele. Wie ich zum Beispiel stolz mein neues Wissen über die Nichtexistenz des Osterhasens mit den anderen teilte und die Erzieherin dann vor versammelter Mannschaft sagte: „Quatsch. Natürlich gibt es einen!“ Heute kann ich sie verstehen. (Mein Trauma lässt auch langsam nach.) Oder der Moment, als ich im Urlaub so „dumdidumdidubdidei“ in ein Schwimmbecken hineintaperte, bis ich nur noch Wasser und Luftblasen vor Augen hatte… und als nächstes die Armbanduhr meines Vaters, der mich (dankenswerterweise) wieder rauszog. Da war ich wohl so vier.

Vielleicht bin ich, was diese ganzen Erinnerungen angeht, auch ein bisschen obsessed. Ich entstamme einer Familie von Ahnenforschern und Autobiographie-Schreibern, von Fotosammlern und Nie-etwas-Wegschmeißern. Sowas färbt sicherlich ab. Andererseits gibt es auch ein gutes Gefühl zu wissen, dass man von einem Südtiroler Freiheitskämpfer des 18. Jahrhunderts abstammt. Das erklärt so einiges. Sollte meine Tochter mal ein Ahnenforschungsinteresse entwickeln, wird es schwerer, denn „Multikulti-Kid“ müsste ihre Vorfahren gleich in sieben verschiedenen Ländern aufspüren…

Hmm… die Überschrift „Weihnachten auf dem Märchenschloss“ deutet darauf hin, dass ich eigentlich über was ganz anderes schreiben wollte und irgendwie vom Kurs abgekommen bin (ich glaube Seefahrer gehörten nicht zu meinen Urahnen). Jedenfalls schreibe ich über die wunderschöne vorweihnachtliche Märchenschlosserfahrung, an die sich meine Tochter später BITTEBITTE erinnern soll, einfach beim nächsten Mal.




Einen frohen Advent wünsche ich Euch! Und wenn ihr mögt, teilt doch Eure ersten Kindheitserinnerungen mit mir!!

Freitag, 7. November 2014

Hätte ich im Traum nicht gedacht...


Puh! Habe gestern ein Interview mit einem Traumexperten gelesen. Der sagte, die neueste Erkenntnis ist, dass man die ganze Nacht träumt UND: Je besser man sich an seine Träume erinnert, desto größer der therapeutische Effekt. Therapie kann ich immer gebrauchen! Aber wie erinnert man sich an seine Träume? Ich meine klar, an den einen oder anderen schon, aber an acht Stunden Träumerei (also mit der Maus netto sechs)?

"Man muss sich einfach nur abends beim Einschlafen sagen, dass man sich morgens an alle Träume erinnern will", sagt der Experte. Klang mal wieder zu einfach, um zu funktionieren und deshalb habe ich es ungläubig - und sehr blauäugig, wie ich heute morgen feststellen musste - gemacht. Der Erfolg war mehr als durchschlagend!

Erstens: Die ganze Familie hat mehr als eine Stunde länger geschlafen. Was das mit meinen Träumen zu tun hat, weiß ich nicht, aber ich wollte es der Vollständigkeit halber mal erwähnen.

Zweitens: Ich hatte vier laaaaange Träume. Eigentlich je zwei Forstetzungsgeschichten, weil Madame Ich-schlafe-niemals-durch mich natürlich geweckt hat.

Drittens: Ich habe groooooße Abenteuer erlebt UND die Welt bereist UND viele Bekannte getroffen.

Viertens: Als ich meinem Mann heute morgen von diesen Träumen erzählen wollte (das gehört nämlich auch zum therapeutischen Gelingen) meinte er entsetzt: Aber doch nicht acht Stunden!!! (Dass es ja eigentlich nur sechs waren, wollte er gar nicht mehr hören.)

Also blogge ich jetzt über meine Träume - in Kurzfassung. Ihr müsst es ja nicht lesen!

Es begann mit einer Flucht - wovor, weiß ich nicht, aber mein Mann und ich hatten die grandiose Idee in einem dieser riesigen, neuen, roten, hochglänzenden usw. Traktoren zu flüchten, die man manchmal in der besserbetuchten Landwirtschaft findet. Und zwar durch die Großstadt! (Wenns mal wieder unauffällig sein muss...)

Irgendwann konnte ich ihn überzeugen, dass es bessere Möglichkeiten gibt, wenn man wirklich unerkannt bleiben will und wir schlugen uns zu Fuß durch einen Dschungel, bis wir schließlich in einem Diner vor einem sehr netten jungen Deputy saßen. Er hat uns nicht erkannt! Weil die Fahndung nach einer Rothaarigen ausgeschrieben war und ich hab ja grade Ombre-Hair, also heller an den Spitzen und schlauerweise einen Hut auf! Ha!

Dann heulte die Maus und ich wachte auf. Grrrrr!!!

Traumteil zwei führte uns in ein österreichisches Bergdorf, wo ich meiner Tante über den Weg lief und ein bisschen quatschte. Mit einem gelben Nähfaden statt mit Kletterseilen bestiegen wir schließlich mit anderen Bergsteigern den Hausberg. Mir war ein bisschen mulmig dabei, so am seidenen Faden zu hängen, aber gut. Oben setzten wir uns in den Schnee, machten am Abend ein Lagerfeuerchen und sahen in die dunkle Ferne. Weit hinten in Frankreich erkannte ich den Ort, an den uns die Flucht noch führen sollte...

Die Maus heulte ein zweites Mal und wir riefen sie zu uns ins Bett. Sie wollte unbedingt VON MAMA MIT FINGERNÄGELN in den Schlaf gekrault werden, deshalb dauerte es ein bisschen.

Dann ging es in den nächsten Traum, der mich zum Pfarrhaus meiner Kindheit brachte, das aber durch eine - ziemlich hässliche - moderne Villa ersetzt worden war. Im Pool davor wusch ich meiner Tochter die Haare und fand sogar einen angeschlossenen Föhn in einer Box, so dass ich meinen wieder einstecken konnte.

Dann drehte sich die Maus - vielleicht war der Föhn zu heiß - und ich wachte wieder auf.

Im letzten Traumteil erkundete ich das Haus und entdeckte, dass es ein riesiges exotisches Hotel war. Mit meinen Eltern saß ich im palmen- und bougainvillebepflanzen Innenhof und frühstückte. Die Ruhe hielt nicht lange, denn ich musste eine Sportmannschaft coachen, die für die Olympischen Spiele trainierte und aus den Erzieherinnen der Kita bestand.

Sehr fordernd die Bande, aber sie holten die Medaille - bei was auch immer - rudern??? Die zu überreichen fiel einem Exfreund zu, der daraus eine Riesenshow machte und das Millionenpublikum (das in Rängen saß, die bis zum Himmel reichten) zu Laola-Wellen animmierte. 

Ich riss die Arme hoch... stieß mich an der Wand und war wach.

Boah wat anstrengend!! Jetzt fühle ich mich irgendwie, als hätte ich gar nicht geschlafen und zwei Tage hinter mir. Da helfen nur Kakao und ein Nutellabrot. Ob ich mir heute Abend nochmal wünsche, dass ich mich an meine Träume erinnere, weiß ich nicht. Eigentlich kann ich das mir und euch nicht antun! ("Absolut richtig", bestätigt mein Mann.)

HINWEIS

Das Interview mit dem Traumexperten Stefan Klein "Träume sind wie eine natürliche Psychotherapie" (von Sonja Niemann) stand übrigens in der Brigitte Nr. 22, 8. Oktober 2014, die mir meine Mutter überlassen hat.

Dienstag, 19. August 2014

Noch was...



Die Nachbarin macht jetzt auf professionell und bloggt ab heute offiziell und in gewohnter Manier auch für Kaufhof. Wer also noch mehr von den kleinen und mittleren Katastrophen des nachbarschen Familienalltags lesen will, kann das jetzt zwei Mal im Monat im GALERIA-Lifestyle-Blog.

Und hier geht's zum ersten Beitrag:

DIY - Selbermachen ist in 


PS: Und wenn man ihn mag, darf man ihn "herzen" :-) Vielen Dank!

Montag, 16. Juni 2014

Schwarz-Rot-Messing

Jetzt kommen sie einem wieder entgegen: Autos mit schwarz-rot-goldenen Ohren, Menschen mit schwarz-rot-goldener Kriegsbemalung. Im meinem Fall auch gerne mal vor dem Spiegel. Ich meine, was bietet sich besser an zum Feiern, als eine WM? Dabei geht es auch um Fußball, aber zuallererst um dieses Gemeinschaftsgefühl, "Deutschland ein Sommermärchen". Und: Wir sind gar nicht so deutsch, wie wir aussehen... eigentlich mehr so die Brasilianer Europas und so weiter. Das tat gut 2006 und das tut gut, acht Jahre später. Wenn's auch nur vier Wochen dauert.

Aber, liebe Leute, musste das eigentlich sein? Ich meine, wer hat sich das ausgedacht? Schwarz-Rot-Gold??? Was ist denn das für eine Kombi? Schwarz und Rot geht schon mal gar nicht. Das fand ich schon als Kind, als ich den Teufel wegen Unästhetik aus dem Kasperletheater verbannte. Aber dazu noch dieses "Gold"! Hallo? Das ist vielleicht Senfgelb - sieht irgendwie ökologisch abbaubar aus...

Jetzt darf man mir gerne mangelndes nationales Bewusstsein vorwerfen, aber schön ist das nicht. Es gibt so tolle Flaggen! Schweden zum Beispiel oder Griechenland, das ist frisch, das ist luftig, wie es halt zu so einer Fahne passt. Union Jack und Stars and Stripes schaffen es ja mittlerweile sogar auf Möbel und Sofakissen. Der absolute Hit aber ist - ihr werdet es schon erahnen - die Flagge von Mikronesien. Sterne gehen so was von im Moment. Und dann noch dieser himmelblaue Untergrund, da möchte man gleich eine Blumenkette draus klöppeln. Zum Beispiel fürs Halbfinale Deutschland-Italien, bei dem wir dann rausfliegen. Aber nein, es muss eben Schwarz-Rot-Gold sein. Eigentlich ist es auch nicht "Gold", sondern Messing, wie Professor Wikipedia auf Anfrage erklärt. Hörte sich aber wohl nicht so prall an: Schwarz-Rot-Messing. Wer es genauer wissen will: Das Farbtrio geht auf einen Freiwilligenverband der preußischen Armee zurück. Studenten aus allen Ecken Deutschlands, die gegen Napoleon marschierten. Sie kamen in unterschiedlichsten Klamotten und deshalb wurde erstmal alles schwarz eingefärbt, um eine Art Uniform zu generieren. Dann noch rote Aufschläge und Messingknöpfe - fertig war die Deutschlandflagge.

Dass das nicht nur ästhetisch fragwürdig ist, sondern auch zu unerwarteten Verwicklungen führen kann, erlebte ich kürzlich. Wieder einmal traf sich der Elternbeirat am lauen Sommerabend im Garten, da kam eine Mutter zwischen den Stauden hindurch und produzierte Sorgenfalten auf die Stirne der Anwesenden. War sie gefallen? In eine Schlägerei geraten? Vielleicht sogar ein Fall fürs Frauenhaus? Eine große verschorfte Wunde prankte auf ihrem Wangenknochen. Ich traute mich nicht zu fragen, das erledigte eine forschere Kollegin. Und noch während das Fragezeichen in der gespannten Luft hing und ich ihren irritierten Blick sah, dämmerte mir: Es ist WM, wenn man sich schwarz-rot-goldene Streifen auf die Wange malt, das Gold sich verflüchtig und der Rest verschmiert... können ganz schnell Gerüchte die Runde machen.

Leider nimmt Mikronesien mit seiner schönen Flagge nicht an der WM teil, also muss man damit leben. By the way, was ist eigentlich Mikronesien? Ich frage meinen Mann, der weiß so was, und auch wie die Hauptstadt heißt. Manchmal machen wir so ein Spiel. Ich sage: Aserbaidschan und er sagt Baku, ich sage Sierra Leone und er sagt Freetown, ich sage Missouri und er verdeht die Augen: "Das ist ein Fluss!" "Ach so."

"Was habt ihr eigentlich in der Schule gelernt", fragt er, der türkische und britische Bildung genossen hat. "Weiß ich nicht mehr", nuschele ich. Und erinnere mich an meinen Erdkunde-LK. Da haben wir in der 12 Klasse mal ein Quiz gemacht: Länderraten. Einer fragte: "Insel in der Karibik?" Alle schrien begeistert: "Hawaii!" Er: "Richtig!" Der Lehrer versank fremdschämend hinter seinem Pult.

Was der wohl zum Thema Mikronesien gesagt hätte? "2.000 tropische Inseln im Pazifischen Ozean. Bikini-Atoll! Na, schrillt da was? - Nee, hat nix mit Ballermann zu tun, ihr Flaschen! Atomwaffentests der USA!!" Oje, stimmt. Aber auch - und das muss gesagt werden -Trillionen Quadratkilometer unberührte Natur, Vielfalt der Kulturen, blaue Lagunen, Taucherparadies. Ich glaube nicht, dass die 'ne WM brauchen, um sich wohlzufühlen...