Manchmal könnt ich explodieren - vor Lachen. Eine Unterhaltung mit meiner Tochter schwankt zwischen Kasernenhofton, poetischem Geplänkel, philosophischen Exkursen und Aussprüchen, die locker Platz 1 der O-Ton-Charts einnehmen könnten.
Ein Blog über alles, was einen so umtreibt, als Nachbarin, Ehefrau, Mutter, Selbständige... Kleine Begebenheiten, Skurriles und Katastrophales aus meinem Familien-Alltag.
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Mittwoch, 4. Mai 2016
Dienstag, 19. April 2016
Unser Einzelkind
... ach, was gibt es so viele Vorurteile über Einzelkinder. Da muss ich gar nicht recherchieren. Ich habe sie selbst. Und - ich habe ein Einzelkind. Nicht ganz freiwillig, aber doch. Ich liebe meine Prinzessin heiß und innig. Und der Papa auch und die Großeltern, Tanten und Onkel... Unsere Maus ist nämlich wirklich ein Einzelkind. Das einzige Kind der gesamten Familie!
Das bedeutet viel Aufmerksamkeit - in Form von Zuhören, in Form von
Geduld, in Form von Streicheleinheiten, in Form von Spielestunden. Ein
Kind kann gar nicht genug Liebe und Förderung
bekommen. Von daher alles bestens...
Donnerstag, 29. Oktober 2015
Wiebitte?!
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| Wiebitte?! |
Kleine Kinder bringen ja immer wieder den einen oder anderen Spleen aus dem Kindergarten mit. Manchmal ist es irgendeine Fantasiesprache - je nachdem, ob die Maus gerade mehr mit Gülsen ("rübük löbökel tschinökor"), Lin Yun ("nihau wakabu singdami") oder Viktor ("ndtrasdorowitschingotschek") spielt. Alles drei heißt in etwa: "Neihein!" Denn das ist gerade des Töchterchens deutsches Lieblingswort - egal wie vorsichtig die Anfrage formuliert war.
Montag, 5. Oktober 2015
Zehen wie ein Weihnachtsbaum
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| Dreijähriger Fuß |
Dazu kommt, dass die Maus nach wie vor nichts anderes anziehen möchte, als Röcke und Kleider, und Strumpfhosen für die kühlere Jahreszeit da nun mal die Klamotte der Wahl sind. Dazu kommt auch, dass die Maus darauf besteht, sich mehrmals am Tag umzuziehen - also je nach Stimmung und Vorhaben.
Montag, 24. August 2015
Mädchenkram
Vorgestern hat eine gute Freundin von mir ihr drittes Kind bekommen. Ein Junge. Ich wusste es! Während meiner Schwangerschaft wusste ich auch, dass es ein Junge wird. Ich hatte es geträumt und meine Mutter, die immer so Ahnungen hat, hatte so eine Ahnung. Bis die Frauenärztin dann im sechsten Monat sagte: "Also, das Kind ist gesund! Es sei denn, Sie bestehen weiterhin darauf, dass es ein Junge ist. Dann fehlt was Entscheidendes!"
Dienstag, 28. Juli 2015
Urlaubs-Blog: "Bobobobobobobob!"
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| Helikopter-Mom |
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Mittwoch, 15. Juli 2015
Drei Jahre und in der Pubertät
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| Grrrr!! |
Vor kurzem war meine Tochter krank. Meine Diagnose lautete: "Akute Kita-Unlust gepaart mit Husten und Schnupfen bei unangenehmen 37 Grad in Schatten." Und da ich ja zu den glücklichen Müttern gehöre, die ihren Beruf in den heimischen vier Wänden ausüben, dachte ich mir, okay, wir lassen das Kind mal daheim...
Samstag, 30. Mai 2015
Weltelterntag
Kennt irgendwer den Weltelterntag? Nicht???!! Ich bis vor Kurzem auch nicht. Aber ich habe dieses Buch über Gedenktage und da stand er drin.
Ich meine: Muttertag, Vatertag, Omatag. Da musste langsam auch ein Opatag (äh nee, den gibt es immer noch nicht), also ein Weltelterntag kommen. Hochoffiziell durch die UN, um die Eltern halt irgendwie zu ehren, weil sie ja selbst nicht dazu kommen, vor lauter Stress.
Mein Männe und ich haben den dann mal nach unseren eigenen Vorstellungen begangen. Wie ich dabei in den Wingert gekommen bin, lest ihr im Galeria-Blog.
Eure Nachbarin
Ich meine: Muttertag, Vatertag, Omatag. Da musste langsam auch ein Opatag (äh nee, den gibt es immer noch nicht), also ein Weltelterntag kommen. Hochoffiziell durch die UN, um die Eltern halt irgendwie zu ehren, weil sie ja selbst nicht dazu kommen, vor lauter Stress.
Mein Männe und ich haben den dann mal nach unseren eigenen Vorstellungen begangen. Wie ich dabei in den Wingert gekommen bin, lest ihr im Galeria-Blog.
Eure Nachbarin
Donnerstag, 16. April 2015
Work-Life-Balance: Alles easy
| Foto: Screenshot Familista.de |
Ach, was habe ich mich gefreut!! Das Familienmagazin Familista.de hat unsere Familienchaosreihe tatsächlich nutzbar gemacht und Tipps für mehr Entspannung im täglichen Multitasking-Marathon herausgezogen. Wir fühlen uns geehrt und folgen gestärkt und gefestigt weiter unserem Holzweg ;-)
Sechs Tipps für Mamas mit Job
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Montag, 30. März 2015
Ganz der Papa
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| Grrrr - Zeitumstellung |
Auf die Palme
"Die Maus hat eine geringe Frustrationstoleranz", hieß es letztens im Kita-Elterngespräch. "Aber das lernt sie noch!!" - "Vielleicht auch nicht", unkte mein Mann und warf mir breit grinsend so vielsagende Blicke zu, dass die Erzieherin unauffällig einen Vermerk in der Akte machte. Ja, die Palme, auf die ich des Öfteren klettere, ist quasi mein einziges Workoutinstrument und meine Ungeduld die einzige energetische Äußerung, während mein Hintern immer breiter wird. Typisch rothaarig halt, wie es das Klischee so will. Geerbt habe ich diesen Charakterzug allerdings nicht von meiner rothaarigen Mutter, sondern von meinem Vater - nicht nur optisch eher so der Robert de Niro-Typ.
Im übrigen ist auch die Maus so weit vom roten Haar entfernt, wie man das eben sein kann, mit einem arabischen Großvater. "Da kommen schwarze Locken", sprach die Hebamme schon bei der Entbindung und beendete damit jegliche Spekulation. Nicht, dass ich ihr das rote Haar nicht gerne vererbt hätte. Auch wenn ich jeden einzelnen Spruch zu dem Thema kenne und sich schon meine Oma mit ihrer "roten Krause" einiges anhören durfte, liebe ich ihn doch, meinen Kupferkopf. Immerhin das einzige, was sich bisher jeglichen Alterserscheinungen entzieht.
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| Haarvergleich |
Ganz der Papa
Sie sitzt gerade am Küchentisch und will "keinen Käse" (Papa), danach will sie basteln (Mama) und Bücher lesen (Mama) und zwar SUBITO!! (MAMA). Außerdem hat sie täglich den Wunsch auf der Sofalehne zu balancieren, in die Luft geworfen zu werden und mit dem Ball eine Blumenvase abzuschießen (alles Papa), bevor sie sich eine Stunde lang ruhig und alleine mit ihrem Kinderbauernhof beschäftigt (auch Papa) und sich dabei selbst Geschichten erzählt (Mama) von Hunden (Mama, Papa) und Katzen (Papa) und Pferden (Onkel), die sie liebt.
Wenn dann nachher Besuch kommt, wird sie eine Stunde lang schüchtern sein und nicht sprechen (Mama und Papa) und danach wild aufdrehen (Tante und Onkel). Sie wird sich ein Prinzessinnenkleid überwerfen und sich Glitzerspängchen ins Haar machen lassen und auf die Frage, was sie sich denn vom Osterhasen wünscht "Barbie" antworten (meine beste Freundin aus Kindertagen? Ach so nee...). Aber von uns hat sie das jedenfalls nicht. Die Tante hat ihren Barbies früher den Kopf abgedreht und mir ist dazu noch nicht mal das eingefallen. Hmmm - muss doch noch mal meinem Mann auf den Zahn fühlen... A propos, die Zähne hat sie ganz doll hoffentlich auch von ihm!!
Kaffeesatz!
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| Familienähnlichkeiten |
Es gibt nämlich - wie immer - eine Studie aus den USA, die festgestellt hat, dass es echt schwer ist, Menschen anhand ihrer optischen Merkmale den Eltern zuzuordnen. Dafür ist das Gen-Lotto einfach zu unberechenbar und außerdem liegen ja nicht nur Kugeln von PapaMamaOmaOpa drin, sondern auch vom Urururururgroßvater mütterlicherseits, der laut Ahnentafel Freiheitskämpfer in Südtirol war, sowie vom Urururuururirgendwasvater väterlicherseits, der zur Leibwache Mohammeds gehörte. Hmm, grade erscheint mir der ein oder andere Trotzanfall doch in anderem Lichte.
Übrigens, wer will, dass sich das künsterliche Talent von Tante Elfriede weitervererbt, der berufliche Ehrgeiz von Ururopa Karl und das engelgleiche Wesen von Tante Angela, sollte es seinem Kind nur lange genug einreden. Oder man lässt es einfach sein, wie es ist.
Grüßle! Eure Nachbarin
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Mittwoch, 11. März 2015
Frühjahrsmüdigkeit
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| My bed is my castle |
Mein Bett und ich
Dienstag, 10. Februar 2015
Und der Mann hat doch das letzte Wort
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| Fünfter und letzter Teil |
Es kommt selten vor, dass meine Frau mir das Reden überlässt, also packe ich die Gelegenheit mal am Schopfe und bringe unser 24-Stunden-Chaos zu Ende.
Es war also Donnerstagabend, halb sieben. Meine Frau hatte sich ins Arbeitszimmer verkrümelt und mich mit unserem Krümel und den vielen anderen auf dem Küchenfußboden alleine gelassen. Mit dem Besen in der Hand und der Maus am Bein kehrte ich also erstmal ordentlich durch und ging im Geiste verschiedene Varianten von Abendmahlzeiten durch, die ich gerne gehabt hätte.
Rührei oder...
Schokokuchen mit Smarties gehörte definitiv nicht dazu, den Süßkram überlasse ich meiner Frau. Für die geht so was ja locker als Abendessen durch. Ich denke dagegen sehnsuchtsvoll an Burger mit Pommes, indisches Curry oder asiatische Reispfanne… Ein Blick in den Kühlschrank eröffnet mir dagegen drei Möglichkeiten: Rührei mit Schnittlauch, Rührei mit Tomaten oder Rührei mit Schnittlauch und Tomaten. Ich entscheide mich für letzteres und nehme mir vor, am nächsten Tag einen Großeinkauf zu machen.
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| Longing |
Ich erwarte schon eine hektisch zischelnde und händewedelnde Frau am Telefon, die versucht, unauffällig ihr Kind loszuwerden. Stattdessen sitzen beide harmonisch knuddelnd auf dem Bürostuhl. „Das Interview hat noch nicht angefangen. Aber weißt du, was die Maus eben zu mir gesagt hat: Mama, du bist meine beste Freundin!“ Ein strahlendes Weib, ein glückliches Kind. Alles in Butter! „Auf jetzt, Maus. Wir machen Essen“, scheuche ich Töchterchen zurück in die Küche und rufe meiner Frau zu: „Schließ mal die Tür ab.“
„So, jetzt gibt es Rührei“, verkünde ich siegesgewiss. Die Maus mag nicht viel, aber Rührei geht immer. „Ich will Würstchen!“ „Wir haben kei…“ „WÜÜÜÜÜRSTCHEEEEN!“ „Du darfst auch das Ei aufschlagen“, versuche ich es wieder. Keine Chance! Vor zwei Wochen hätte das noch gezogen, denke ich, während ich meine zeternde Tochter betrachte. Wir einigen uns dann auf Sardinen mit Zwiebeln. Wenigstens das ist immer ein Garant. Also noch! Jedenfalls haut sie sich die ganze Schüssel in den Kopp.
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| Beschrankt |
Hang time
Während ich so vor mich hin grübele, hüpft Junior wie wild auf der Couch auf und ab. „Hej, hier wird nicht rumgesprungen“, sage ich zu ihr. „Papa! Papa! Papaaaaa!“ antwortet sie in einem Singsang mit leider drei Ausrufezeichen. „Ja?!“, belle ich. „Hang time machen!!!“ Och nö. Jetzt? „Papaaaaa!!!“ „Na gut, aber nur einmal“, sage ich und werfe sie schwungvoll bis kurz unter die Zimmerdecke. Tochter juchzt, meine Gelenke machen so ein ähnliches Geräusch. „Nochmaaaaal!“ War ja klar. Okay, seufze ich und werfe sie noch einmal in die Luft. Im Rücken macht sich schon ein verdächtiges Ziehen bemerkbar.
„Jetzt ist aber Schluss“, sage ich und greife mir das Tablet, um Nachrichten zu lesen. Es ist acht Uhr, von Müdigkeit beim Kinde keine Spur. Wir sollten das mit dem Zucker echt einschränken, denke ich, während sie wie eine Verrückte von einem Zimmer ins nächste rast und irgendeinen imaginären Löwen verfolgt. Vor neun wird sie niemals schlafen und ich sehne meinen Feierabend herbei. Von meiner Frau ist noch nichts zu sehen, wahrscheinlich schreibt sie das Interview doch gleich runter oder sie bloggt schon wieder…
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| Zähneputzen leicht gemacht |
Seit ich ihr jeden Abend meinen kürzlich gezogenen Weisheitszahn, inklusive eindrucksvollem Loch zeige und ihr sage, dass das mit ihren Zähnen passieren kann, wenn sie nicht richtig putzt, klappt das Ganze wie von selbst. Alle anderen Versuche mit Karius und Baktus-Geschichten und Zahnputzliedern hatten vorher versagt. Manchmal muss man eben anschaulich werden. Ich schaue auf die Uhr: Zehn vor neun! Eigentlich könnte ich mal nach meiner Frau gucken.
Vorsichtig öffne ich die Tür und ernte ein Zischeln und wedelnde Hände. Dabei ist sie gar nicht mehr am Telefon. Na super, übersetzt soll das wohl heißen, das ganze Abendritual bleibt an mir hängen. Und das nach DEM Tag. Die Arbeit war heute auch nicht gerade ein Zuckerschlecken… Aber es hilft nix, da muss ich jetzt durch: Die Tochter für die Nacht einkleiden, OHNE dass meine Frau die Klamotten rausgelegt hat. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit…
Ohne Lillifee ins Bett
15 schweißtreibende Minuten später, liegt die Maus endlich im Bett. Vorher hat sie mir dreimal die Freundschaft aufgekündigt, weil sie nicht mehr auf die Toilette wollte, ich das Pferdeoberteil nicht gefunden habe, (also ich habe viele Pferdeoberteile gefunden, aber eben nicht DAS) und weil ich mich geweigert habe, ihr Prinzessin Lillifee vorzulesen. Da braucht man echt ne Sonnenbrille, bei dem pinken Geglitzer. Wieso haben wir das überhaupt. Ich habe mal gelesen, dass Mädels, die mit Lillifee aufwachsen, niemals Vorstandsvorsitzende werden.
A propos, meine Frau ist immer noch nicht aufgetaucht. Jetzt kann sie sich Zeit lassen. Dann kann ich in Ruhe meine Serie gucken. „Breaking Bad“, Staffel drei, Folge 11. Hehe!! „Papa!“ Ein Ausrufezeichen, so was höre ich nicht. „Papa!!“ Ich bin gar nicht da. „Papa!!!!!“ Ok, das war deutlich. „Was denn?“ rufe ich entnervt. „Kannst du mich graulen und dabei Sankt Martin singen?“ „Äh. Ich hole mal deine Mutter!“ Die kommt mir Gott sei Dank entgegen und sieht fit genug aus, um diese Aufgabe zu übernehmen. „Ein bisschen mehr Begeisterung, bitte!“
Der Abend endet um 23 Uhr. Ich habe zwei Folgen Breaking Bad intus. Meine Frau ratzt seit halb zehn auf dem Sofa. Also, ab ins Bett.
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| Hustensaft zur guten Nacht |
Müßig zu erwähnen, dass unsere Tochter uns um 0:30 weckt, weil es ihr nicht gut geht. Der Rest der Nacht vergeht mit Husten, Fiebermessen und Gemaunze wie im Flug und schon ist wieder morgen! Neuer Tag, neues Glück!
Falls ihr Teil eins bis vier verpasst habt: Hier sind sie.
Ein Tag in der Familie der Nachbarin
Immer noch Tag eins!
Alle guten Dinge...
Kann es was Schöneres geben?
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Montag, 24. November 2014
Die Girlande
So ein Kinderzimmer braucht ja ein Motto, findet ihr nicht?! Prinzessin, Pirat, Dschungel, Müllhalde. Na gut letzteres ist eher die Zustandsbeschreibung. Jedenfalls dachte ich mir vor der Geburt unserer Maus: Grün beruhigt, ist nicht so typisch Junge oder Mädchen und außerdem haben wir kein Haustier und wohnen nicht im Wald, da kann man ja wenigstens in der Raumgestaltung die heimische Flora und Fauna einbeziehen.
Also malte ich noch unter Wehen einen raumhohen Baum an die Wand und setzte drei Eulen aus Tonpapier in die Äste. Ein Jahr lang hatte ich Vogelhäuschen gesammelt und verteilte sie nun großzügig in allen Ecken. Eine Lampe mit Bienenfotoprint, Vorhänge mit Gemüse drauf und natürlich Kuscheltiere satt. Fertig war der Gartenraum.
Das alles geschah, bevor ich wusste, dass unsere Tochter das Kinderzimmer vor ihrem dritten Lebensjahr gar nicht beziehen würde. Das Spielzeug stand vor allem im Wohnzimmer, geschlafen hat sie bekanntermaßen im Elternschlafzimmer. Aber gewickelt haben wir sie im Kinderzimmer!! Ha! Und dabei durfte sie immer auf ein Käfer-Mobile gucken! (Was sie nie gemacht hat, weil sie zu sehr damit beschäftigt war, zu zappeln und zu treten…)
Ein Bett mit Ranke
In einer der vielen Motivationsphasen zum Thema Schlaf kauften wir ihr ein wunderschönes Gitterbett, das die Oma mit viel Liebe weiß einpinselte. Bei Dawanda bestellte ich mir handgeklöppelte Buchstabensticker und klebte ihren Namen auf. Und dann suchte ich lange nach einem passenden Flora-Accessoire und fand endlich DIE eine Blumengirlande aus Stoff von Haba! Ich knotete sie sorgfältigst um die Gitterstäbe, um jede Strangulationsgefahr zu bannen. Dass der Betthimmel von IKEA ein Jahr später aus genau diesem Grund zurückgerufen werden sollte, wusste ich damals ja noch nicht.
Als das quasi ungenutzte Bett irgendwann auch in der Theorie zu klein wurde (bzw. mein Mann und ich es leid waren, auf der Matratze davor zu campieren) wanderte es in den Keller und die Blumengirlande suchte ein neues Zuhause.
Jetzt ist mein Mann nicht unbedingt der Typ, der sich über eine Blumengirlande an der Wohnzimmerlampe freut. Auch nicht am Badezimmerregal, über den Kühlschrank drapiert oder am Spiegel im Flur. Sooo leicht gebe ich allerdings auch nicht auf. Und am Ende landete sie um einige Äste gewickelt an der Kinderzimmertür. Gut damit eigentlich in der Küche, aber sie ersetzte eine glitzernde Lillifee-Girlande und damit hatte ich meinen Mann.
Da hing sie nun also unbescholten für mindestens sechs Monate rum. Mein Mann bückte sich klaglos darunter hinweg und hatte sich bald daran gewöhnt, nicht mehr hocherhobenen Hauptes durch die Wohnung gehen zu können. Für jemanden, der fast zwei Meter misst, ist das ja auch eher eine Grundsatzerfahrung…
Der Durchbruch
Ja, und dann kam der Tag, an dem meine Tochter sich überreden ließ, endlich ins Kinderzimmer zu ziehen und dort auch nach einigen Anläufen alleine im eigenen Bett einzuschlafen. Jetzt ist es ja so, dass Kinder im Halbdunkeln eine blühende Fantasie entwickeln. Als erstes verschwanden die Eulen vom Baum. „Die starren mich so an!!“ Wenn man schon sieben Mal vom Sofa aufgesprungen und ins Kinderzimmer gehetzt ist, um das Kind zu beruhigen, wird man in solchen Dingen weich. Ich hätte wahrscheinlich auch die Vorhänge abgehängt, das Bett um 90 Grad gedreht oder die Dielen rausgerissen, wenn sie es verlangt hätte…
Und dann kam der Abend, an dem ich später nach Hause kam und die Äste mitsamt der Girlande in der Wohnzimmerecke vorfand. „Deine Tochter hatte Angst vor dem Ding“, sagte mein Mann gelassen. „Da hab ich es runtergenommen. Dabei sind leider auch die Nägel mit aus der Wand gerissen…“ Ich sagte nichts, dachte mir meinen Teil und hängte am nächsten Vormittag alles wieder an seinen Platz.
Die Rechnung hatte ich jedoch ohne meine Tochter gemacht. Ehrlich gesagt, dachte ich, sie hätte gar nichts mit dem Vorgang zu tun. Als sie jedoch am Samstagvormittag in ihrem Zimmer spielte, hörte ich auf einmal Gejammer. Mein Mann ging hin und kam grinsend mit der Info zurück: „Die Maus möchte die Girlande nicht mehr an der Tür haben, sie hat Angst davor.“ „Was hast du ihr erzählt??“, fragte ich. „Gar nichts!“, verteidigte sich mein Mann. Und während wir noch in die Küche standen und diskutierten, beschloss die Maus, die Sache selbst in die Hand zu nehmen:
PS: Ich habe das Ensemble der Einfachheit halber jetzt hinter den PC-Bildschirm meines Mannes geklemmt. Nicht schön, aber wenigstens sticht sich so niemand ein Auge aus...
Also malte ich noch unter Wehen einen raumhohen Baum an die Wand und setzte drei Eulen aus Tonpapier in die Äste. Ein Jahr lang hatte ich Vogelhäuschen gesammelt und verteilte sie nun großzügig in allen Ecken. Eine Lampe mit Bienenfotoprint, Vorhänge mit Gemüse drauf und natürlich Kuscheltiere satt. Fertig war der Gartenraum.
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| Die starrende Eule |
Ein Bett mit Ranke
In einer der vielen Motivationsphasen zum Thema Schlaf kauften wir ihr ein wunderschönes Gitterbett, das die Oma mit viel Liebe weiß einpinselte. Bei Dawanda bestellte ich mir handgeklöppelte Buchstabensticker und klebte ihren Namen auf. Und dann suchte ich lange nach einem passenden Flora-Accessoire und fand endlich DIE eine Blumengirlande aus Stoff von Haba! Ich knotete sie sorgfältigst um die Gitterstäbe, um jede Strangulationsgefahr zu bannen. Dass der Betthimmel von IKEA ein Jahr später aus genau diesem Grund zurückgerufen werden sollte, wusste ich damals ja noch nicht.
Als das quasi ungenutzte Bett irgendwann auch in der Theorie zu klein wurde (bzw. mein Mann und ich es leid waren, auf der Matratze davor zu campieren) wanderte es in den Keller und die Blumengirlande suchte ein neues Zuhause.
Jetzt ist mein Mann nicht unbedingt der Typ, der sich über eine Blumengirlande an der Wohnzimmerlampe freut. Auch nicht am Badezimmerregal, über den Kühlschrank drapiert oder am Spiegel im Flur. Sooo leicht gebe ich allerdings auch nicht auf. Und am Ende landete sie um einige Äste gewickelt an der Kinderzimmertür. Gut damit eigentlich in der Küche, aber sie ersetzte eine glitzernde Lillifee-Girlande und damit hatte ich meinen Mann.
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| Das Schmuckstück |
Der Durchbruch
Ja, und dann kam der Tag, an dem meine Tochter sich überreden ließ, endlich ins Kinderzimmer zu ziehen und dort auch nach einigen Anläufen alleine im eigenen Bett einzuschlafen. Jetzt ist es ja so, dass Kinder im Halbdunkeln eine blühende Fantasie entwickeln. Als erstes verschwanden die Eulen vom Baum. „Die starren mich so an!!“ Wenn man schon sieben Mal vom Sofa aufgesprungen und ins Kinderzimmer gehetzt ist, um das Kind zu beruhigen, wird man in solchen Dingen weich. Ich hätte wahrscheinlich auch die Vorhänge abgehängt, das Bett um 90 Grad gedreht oder die Dielen rausgerissen, wenn sie es verlangt hätte…
Und dann kam der Abend, an dem ich später nach Hause kam und die Äste mitsamt der Girlande in der Wohnzimmerecke vorfand. „Deine Tochter hatte Angst vor dem Ding“, sagte mein Mann gelassen. „Da hab ich es runtergenommen. Dabei sind leider auch die Nägel mit aus der Wand gerissen…“ Ich sagte nichts, dachte mir meinen Teil und hängte am nächsten Vormittag alles wieder an seinen Platz.
Die Rechnung hatte ich jedoch ohne meine Tochter gemacht. Ehrlich gesagt, dachte ich, sie hätte gar nichts mit dem Vorgang zu tun. Als sie jedoch am Samstagvormittag in ihrem Zimmer spielte, hörte ich auf einmal Gejammer. Mein Mann ging hin und kam grinsend mit der Info zurück: „Die Maus möchte die Girlande nicht mehr an der Tür haben, sie hat Angst davor.“ „Was hast du ihr erzählt??“, fragte ich. „Gar nichts!“, verteidigte sich mein Mann. Und während wir noch in die Küche standen und diskutierten, beschloss die Maus, die Sache selbst in die Hand zu nehmen:
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| Schuhlöffel im Hausflur organisieren und feststellen: Es reicht nicht! |
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| Wanne hinzuziehen und feststellen: Es reicht immer noch nicht! |
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| Holztritt aus dem Wohnzimmer in die Küche schieben. Dabei einen Höllenlärm machen. Feststellen: Es reicht!! |
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| Girlande mit Nagel aus der Wand reißen. Eltern sprachlos machen. Sich diebisch freuen! |
Mittwoch, 12. November 2014
Zum vierten Hochzeitstag
Zehn Gründe, warum ich gerne mit meinem Mann verheiratet bin...
Okay, das waren jetzt mehr als zehn Gründe, aber noch lange nicht alle und ich war gerade so schön im Flow!! Danke für vier wunderbare Jahre, M. Chen!
- Weil er zuhört, auch wenn er weghören könnte.
- Weil er Dinge zu mir sagt wie: "Du musst das nicht tun!" oder "Wenn es dir wichtig ist, gehe ich mit!" oder auch "Du schaffst das!"
- Weil er wirklich und in echt Gänsehaut bekommt, wenn er Metallica hört.
- Weil er unsere Tochter trotz Rückens noch dreimal mehr in die Luft wirft, wenn sie "Bitte, bitte hang time machen" ruft.
- Weil er seine Wimpern an sie vererbt hat! Darüber freue ich mich immer noch jeden Tag!
- Weil er weiß, dass ich mich unglaublich freue, wenn er Einrichtungszeitschriften für mich mitbringt UND weil er sich die Zeit nimmt, genau die auszusuchen, die am besten meinen Geschmack trifft.
- Weil er mich so laut und anhaltend zum Lachen bringt, dass meine Tochter anfängt zu brüllen, weil sie den Witz nicht verstanden hat.
- Weil er über mich lachen kann und über sich selber auch.
- Weil er seinen Platz zu Hause bei seiner Familie hat und nicht um die Ecke bei seinen Kumpels und er trotzdem viele Kumpels hat.
- Weil er mir, wenn wir ohne Tochter unterwegs sind, die Beifahrertür aufhält. Immer noch!
- Weil ich mich auf die Zehenspitzen stellen muss, wenn ich ihn küssen will.
- Weil er mich massiert, wenn der Rücken schmerzt.
- Weil er auf mein: "Lass uns jetzt nicht streiten" gar nichts antwortet und mich kurz darauf in den Arm nimmt.
- Weil er viel lieber salziges Popcorn isst, als Schokolade und so mehr für mich bleibt.
- Weil er nur vier Tage arbeitet, um drei Tage mit uns verbringen zu können!
- Weil er seine Zombiefilme mit Kopfhörern schaut, damit ich das Gemetzel nicht mit anhören muss.
- Weil er sich über meine Chickflick-Bücher lustig macht, sich aber ohne mit der Wimper zu zucken, die ganze Story erzählen lässt.
- Weil er sensibel ist, aber kein Weichei.
- Weil er aussieht, wie "James Bond in gut", wenn er morgens das Haus verlässt.
- Weil er immer für uns da ist.
Okay, das waren jetzt mehr als zehn Gründe, aber noch lange nicht alle und ich war gerade so schön im Flow!! Danke für vier wunderbare Jahre, M. Chen!
Donnerstag, 6. November 2014
Shoppen mit Mann und Kind
Also mal Hand aufs Herz: Ich bin jetzt nicht gerade das, was
man neudeutsch als Fashion Victim bezeichnen würde. Manolo Blahniks hielt ich
bis vor Kurzen noch für eine chronische Stoffwechselerkrankung, bis mich eine
„Sex and the City“-erfahrene Freundin darüber aufklärte, dass es sich um
Stöckelschuhe, handelt. Auch besagte Serie ist leider an mir vorbeigegangen,
was im Wesentlichen damit zu tun hat, dass ich seit Jahren den Kampf um die Fernbedienung
verliere.
Nur wenn es um Heidis XS-Mädels geht, setze ich mich einmal
im Jahr durch! Schon aus gesundheitlichen Gründen: Eine Staffel „Germany’s Next
Topmodel“ motiviert mich zu etwa drei Wochen Schlankheitskur. Und zum Kauf
eines Marken-Mascaras, den ich nach einmaliger Benutzung sofort in der
Schublade versenke, weil ich eigentlich seit Jahr und Tag meiner geliebten
No-Name-Wimperntusche treu bin und bisher definitiv nichts Besseres gefunden
habe.
Seit ich mit der Aufzucht eines Kleinkindes beschäftigt bin,
haben meine Ambitionen für die Schönheit zu leiden, beträchtlich abgenommen.
Ich hab auch so schon genug am Hals. Bequem muss es sein, kleinen klebrigen
Kinderhändchen muss es trotzen und trocknergeeignet wäre auch nicht schlecht.
Also Jeans. Die habe ich mittlerweile in allen Größen von 36 (Fehlkauf) über 38
(jaha, das waren noch Zeiten) und 40 (Schwangerschaft) bis 42 (Bewegungsmuffel,
Schokoaddict).
Spieglein, Spieglein
Langsam wird auch das zu eng. Beim Hinsetzen knarzt es
mittlerweile verdächtig im Gewebe – also im Jeansgewebe und GNTM noch so lange
hin. Deshalb muss ich etwas tun, was ich wirklich nur mache, wenn es nicht
anders geht: Ich muss Hosen shoppen! Für jemanden wie mich, deren Hüfte
eindeutig der breiteste Körperteil ist, in etwa so spaßig, wie eine
Wurzelbehandlung beim Zahnarzt.
Selbst meine - wirklich wunderschöne - Freundin Claudia meinte
kürzlich: „Wenn ich in der Umkleide stehe, gucke ich niemals in den Spiegel,
das tue ich mir nicht an.“ Sollte ich vielleicht auch lassen, denn anders als
die Wurzelbehandlung hat Hosenkaufen zusätzlich einen überaus nachteiligen Effekt
auf mein Selbstbewusstsein…
Hier mal ein Aufruf: Liebe Umkleidekabinen-Designer! Wir brauchen
mehr Licht!!! Wie kommt ihr darauf, dass Schummer-Leuchten den unbekleideten
Körper eines Menschen jenseits der 35 besser aussehen lassen? Gedämpftes Licht
erzeugt Schatten an Stellen, an denen man als Frau seit der Erfindung der
Cellulite keine Schatten mehr sehen möchte. Grelles Licht macht vielleicht
blass um die Nase, aber es lässt Hügel und Täler verschwinden. Zumindest wenn
man nicht so genau hinsieht.
In der Umkleidekabine
Bis die Beleuchtung in Umkleidekabinen angepasst ist, mache
ich es also wie meine Freundin - ich schaue nicht mehr hin. Was dem Hosenkaufen
eine weitere unerträgliche Komponente hinzufügt, denn: Ich muss meinen Mann
mitnehmen. Wer soll denn sonst gucken, ob die Hose einigermaßen sitzt? Nein,
nichts gegen meinen Mann, er gibt sich wirklich Mühe. Aber wenn ich ihn
mitnehme, muss ich auch meine Tochter mitnehmen. Und das, liebe Freunde,
wünscht man wirklich niemandem.
Wir also an einem sonnigen Samstagmorgen mit einer schlecht
gelaunten Dreijährigen in der Bonner Innenstadt: „Ich wollte nicht einkaufen,
ich wollte zu den Hirschen!“ – „Schatz, ich brauche neue Hosen, wir gehen
später zum Wildgehege.“ „Du kannst doch alleine einkaufen und Papa geht mit mir
vor?“ Hmm, wie erkläre ich ihr das jetzt?? „Der Papa muss der Mama helfen, weil
sie doch so einen großen Popo hat“, springt mein Mann hilfreich ein und weicht
feixend meinem bösen Blick aus. Meine Tochter gibt sich mit dieser Erklärung
prompt zufrieden. Hmmm…
Eine Stunde später stehe ich schweißgebadet in der Kaufhof-Umkleide.
Meinem Mann ist das Feixen vergangen. „Wenn du mir nicht vertraust, kannst du
genauso gut alleine shoppen gehen“, motzt er nicht ganz unberechtigt und zeigt
anklagend auf den von mir verworfenen Jeansstapel. „Wie soll ich dir vertrauen,
wenn du Hüftjeans, die aus leichten Rundungen monströse Ausbuchtungen machen,
für sexy hältst?“ meckere ich zurück. (So ganz hatte ich dem Blick in den
Spiegel dann doch nicht ausweichen können). „Ich will jetzt endlich Hirsche!“
höre ich zum 35sten Mal meine Tochter vor der Umkleide jammern.
Größe 38!
Ein genervtes Grunzen aus der Nachbarkabine gibt mir den
Rest und ich entscheide mich, das Experiment abzublasen. Erleichtert ziehen
Mann und Tochter von dannen, um Rolltreppe zu fahren, während ich desillusioniert
mit meinen Jeans aus der Kabine wanke. Da sehe ich ihn plötzlich: Er hängt auf
der Stange der zurückgelassenen Kleidungsstücke unterhalb des Fachs, in das ich
jetzt eilig meine Jeans stopfe und strahlt mich an. Dieser eine Rock, nur für
mich gemacht, wohl ein Überbleibsel aus der Sommerkollektion, verschiedene
Türkistöne, zartes Muster, ein Traum. Hatte nicht meine Typberaterin einst
gesagt, ich solle auf Romantik setzen? Ich gucke auf die Größe: 38!
Wenn der jetzt passt, dann steige ich auf Röcke um, schwöre
ich mir, als ich nach einem kurzen Blick Richtung Rolltreppe (alles ruhig) in
die Kabine zurückeile. Weich fließt der Stoff an meinem Körper entlang und tut
so, als hätte ich überhaupt keine Hüften. Der Reißverschluss lässt sich
problemlos schließen, denn der einzige Vorteil der Birnenfigur ist eine schmale
Taille. Klebrige Kinderhändchen, praktische Klamotten und potentiell kalte
Winter sind vergessen. „Ich passe in 38“, jubiliere ich, als ich zur Kasse
schwebe und mich dabei auf wundersame Weise zehn Kilo leichter und hundert
Prozent weiblicher fühle. Darauf ein Sektchen und eine Staffel „Sex and the
City“!
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Montag, 3. November 2014
Pädagogische Fehler, die ich immer vermeiden wollte und warum ich sie trotzdem mache
Der Trend geht zu langen Überschriften ;-)
Also, ich bin ja irgendwie vom Fach. Hab in grauer Vorzeit mal Pädagogik studiert UND abgeschlossen. Jahaaa! Aber es hatte wohl seinen Grund, dass ich den Schwerpunkt auf Erwachsenenbildung gelegt habe.
Andererseits, wenn ich mir meine Tochter so anschaue: Ein
bisschen Benehmen würde nicht schaden. Und Respekt! Und Grenzen! Aber der Zuch
ist wahrscheinlich abgefahren, die frühkindlichen - das ganze Leben prägenden
Jahre - fast vorbei. Das Kind quasi in den Brunnen gefallen. Ich freu mich schon auf
die Pubertät.
Auch die Idee, sie in einen multilingualen, integrativen Montessori-Wald-Kindergarten
mit naturwissenschaftlich-anthroposophischem Bildungsansatz zu schicken,
mussten wir begraben. Hey, wir HABEN einen Kitaplatz, was will man heutzutage
mehr. Und dann: Mandarin lernen am Nachmittag, Reitstunden für Kleinkinder, Zirkusschule?
Wann das denn noch alles?
Also was haben wir?
Also, ich bin ja irgendwie vom Fach. Hab in grauer Vorzeit mal Pädagogik studiert UND abgeschlossen. Jahaaa! Aber es hatte wohl seinen Grund, dass ich den Schwerpunkt auf Erwachsenenbildung gelegt habe.
Trotzdem hatte ich eine diffuse Idee davon, wie ich denn mein Kind
erziehen wollte, bzw. vor allem wohin: Zu einer selbständigen, toleranten,
selbstbewussten, engagierten und natürlich glücklichen Schülersprecherin. Als
ich kürzlich ein Goldenes Ehepaar fragte, welche Werte sie ihren drei Kindern
mitgegeben haben, sagten sie „Benehmen“ (sonst nichts). "Hmm!", guckte ich etwas betreten.
Aber was ist eigentlich passiert?
Also, erstens erzieht man ja sein Kind nicht allein. Das ist
die Krux. Drücken Sie mal ihre rudimentären Vorstellungen von ausgedehnten
Waldtagen mit einem ausgeprägten Stubenhocker durch. Oder die Idee, das Kind
ohne mobile Endgeräte erziehen. Stieß sich ebenfalls an der Realitätskante. Das
ein ITler und eine Online-Redakteurin ein Kind ohne Pad-, Pod- und Phone-Affinität
aufziehen ist eben eher unwahrscheinlich.
IIIIICH hab ja als Kind kaum ferngesehen und meinen ersten
CD-Player bekam ich mit 18. Okay, vorher hatte es auch wohl noch keine gegeben.
Oder fast! Aber dafür hatten mein Bruder und ich neben unseren eigenen Zimmern ein riesiges
Spielzimmer. Mit 'nem Regal aus einer alten Bäckerei vom Boden bis zur Decke
voll mit buntem Zeug. Das wünsche ich meiner Tochter auch. Spielsachen satt.
Dieser Wunsch kollidiert wiederum mit unserer
Quadratmeterzahl und den Ansichten meines Mannes: „IIIIICH habe meine ganze
Kindheit durch nur drei Playmobil-Figuren und zwei Star Wars-Figuren gehabt und
das Wars, äh war’s!“ Kein Wunder, dass er mit Ohren und Nase gleichzeitig wackeln
und seinen Arm zweimal um die eigene Achse drehen kann. Mit irgendwas muss man
sich ja beschäftigen. Jedenfalls muss unsere Tochter nun für jedes Spielgerät,
das dazukommt, eins aussondern.
Was noch? Gesunde Ernährung. Sind wir eigentlich beide für,
aber unsere Tochter nicht. Obwohl, wenn man es genau betrachtet, ist sie
eigentlich Veganerin: "Ich will Nudeln mit Soße, aber ohne Soße!". Das mit der zuckerfreien Ernährung klappte bis eineinhalb.
Das mit der endgerätfreien Erziehung immerhin fast bis zwei. Dann brach sie sich das Bein
und (wir) musste(n) vier Wochen Gips bis zur Hüfte (er-)tragen. Da gibt man
dann schon mal auf.
Auch die Idee, sie in einen multilingualen, integrativen Montessori-Wald-Kindergarten
mit naturwissenschaftlich-anthroposophischem Bildungsansatz zu schicken,
mussten wir begraben. Hey, wir HABEN einen Kitaplatz, was will man heutzutage
mehr. Und dann: Mandarin lernen am Nachmittag, Reitstunden für Kleinkinder, Zirkusschule?
Wann das denn noch alles?
Eine Dreijährige, die seit ihrem zweiten Geburtstag von acht bis halb
drei in die Kita geht und danach von fünf engen Familienmitgliedern betreut und
aufgezogen wird. Ein Kind, das jeden Tag vor die Tür kommt, Laufrad fährt wie
der Teufel und problemlos drei Kilometer marschiert, wenn auch über Asphalt.
Eine Entdeckerin, die einen Marienkäfer von einer Feuerwanze und eine Eichel
von einer Haselnuss unterscheiden kann, allerdings auch „Die Sendung mit der
Maus“ von „Jonalu“ und Firefox von Safari. Eine Leseratte, die etwa hundert Bücher besitzt und gefühlt alle
auswendig kennt und die gleichzeitig das Tablet so virtuos bedient, dass die
Oma runde Augen kriegt.
Ich glaube eher nicht, dass sie mal Schülersprecherin wird. Aber authentisch wird sie sein, tolerant
und sozial, großherzig und lustig. Ganz einfach, weil sie es immer
schon war. Und Glück? Das können wir ihr wünschen. Erkennen muss sie es selbst.
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Vorbild
Sonntag, 26. Oktober 2014
Die Diva und ihr Personal
Ein neuer Tag beginnt. „KAKAAAOOO!!!!“ schallt es aus dem
Kinderzimmer. „Aber sicher meine Süße, es macht gar nichts, dass es erst sechs
Uhr ist und du mich aus dem Tiefschlaf geweckt hast. Sahne dazu?“ Nein, das ist
natürlich ein Märchen. Also zumindest meine Antwort. In Wirklichkeit habe ich
mich nämlich wie jeden Morgen unwillig umgedreht und mir die Decke über den
Kopf gezogen, in der naiven Annahme, ich könnte meinem Schicksal entgehen.
Naiv und irrig! Denn keine zehn Sekunden später dringt ein
Heulen durchs dicke Federbett: „MAMAAAAAAA!!!! KAKAAAOOOOOO!!!“ Gefolgt von
einem Zerren an der Bettdecke. „Lass mich in Ruhe, es ist noch viel zu früh“,
stöhne ich, hieve widerwillig strampelnde 16 Kilo Lebendgewicht in mein Bett
und gönne mir den ersten Hexenschuss des Tages. „Schlaf doch noch ein bisschen,
Schatz“, murmelt neben mir mein Mann - endlich auch mal aufgewacht - bevor ihm
ein Schmerzensschrei entfährt. „Aua, du kleines Aas, das waren meine Nieren.“
So geht es dann eigentlich den ganzen Tag weiter. „Mama,
wenn ich auf Klo sitz, musst du draußen warten… NEEEEIIIIN, nicht da, auf der
anderen Seite!!!“ (Soll heißen: Nicht rechts von der Tür, sondern links) „Mama,
mach mir einen tiefen Zopf. Einen TIIIIIIIIEEEEEFEN!“ - „Tiefer geht nicht!“ -
„WAAAAAHHHHH!“. Oder: „Papaaaaaa???“ (über drei Räume hinweg) „PAPAAAAA,
kommaaaaaaa!“ Ehemann schleppt sich ins Schlafzimmer. „Neeeeeeeiiiiiin, Mama
soll kommen!!!!“
![]() |
| Wie das Zauberwort heißt? Na zz - ziemlich zügig!! |
Struktur und Rituale
Man soll Kinder ja mit Struktur und gleichbleibenden
Ritualen erziehen. So in etwa hört sich also unser tägliches Morgenritual an, souverän
choreographiert von unserer dreijährigen Tochter, die seit einiger Zeit zur
Diva mutiert ist und sich einen ganzen Stab an Hauspersonal hält: Mutter und
Vater, sowie zwei Omas und einen Opa. Echt ich will ein Gehalt! Während sie im
Kindergarten mit „bitte“ und „danke“ arbeitet, hält sie sich zu Hause nicht mit
anstrengenden Höflichkeitsfloskeln auf.
Ein gebellter Befehl, ein lautes Kreischen, dass in ein
gepeinigtes Jaulen übergeht, wenn die Welt mal wieder nicht begreifen will -
also einfach zu blöd und unfähig ist, zu kapieren - was man will. Obwohl man
sich doch klar ausgedrückt hat!!! „KAKAO!!“ heißt erstens: sofort! Zweitens:
34,5 Grad. Und drittens: zu servieren mit langstieligem Löffel und einer
Auswahl an drei verschiedenfarbigen Strohhalmen. Und auch dann gibt es
Fallstricke, die das Projekt noch zum Scheitern verurteilen können.
Das Kind endet dann regelmäßig schreikrampfend auf dem
Fußboden. Und es ist noch nicht mal halb acht. Das heißt der Kampf um
Strumpfhose und Pullover-Auswahl steht noch bevor. Der gute Erzieher bleibt ruhig
und konsequent, lässt dem Kind die Wahl, wo es möglich ist und setzt sich durch,
wenn er es für wichtig hält. Also: „Schatz! Heute ist es kalt, du hast also die
Auswahl zwischen diesen drei warmen Strumpfhosen.“ „Neeeeeeiiiiiiiiii!“ „Wie
nein?!“ „Ich will keine Jacke anziehen!“ „Süße es geht gerade nicht um die
Jacke, sondern um die Strumpfhose.“ „Ich will aber Leggins.“
Der Kampf geht weiter
Irgendwie schaffen wir es fast immer bis acht Uhr in den
Kindergarten, wo sie dann bis halb drei ihre brave, vernünftige, selbständige
Seite zeigt („Wie, du kannst schon seit drei Monaten deine Leggings alleine
anziehen???“). Es heißt ja, dass man gute Erziehung daran erkennt, wie sich das
Kind bei Fremden benimmt. Ich glaube ja eher, dass sie den ganzen Vormittag
Kraft sammelt, um nachmittags wieder den Kampf aufzunehmen. Der geht weiter, sobald
wir die Wohnung betreten.
Jesper Juul sagt: Wenn ein Kind immer wieder versucht, das
Gleiche durchzusetzen, dann liegt es daran, dass es noch nicht versteht, dass
eine Regel etwas Wiederkehrendes ist. Immer schon werden nach dem Reinkommen die Hände gewaschen. Das
heißt, nachdem ich meine Tochter in schmutzverkrusteten Gummistiefeln durch die
gesamte Wohnung verfolgt oder an besseren Tagen eine langwierige Diskussion gewonnen
habe. Mich strengt das so an, dass ich mich um 15 Uhr gerne hinlegen würde, um
danach gleich ins Bett zu gehen. Jesper Juul würde wahrscheinlich sagen: „Das
Kind hat die Regel begriffen. Erst der Kampf, dann das Händewaschen.“ Danke
auch.
So geht es dann eigentlich den ganzen Tag weiter. „Mama,
wenn ich auf Klo sitz, musst du draußen warten… NEEEEIIIIN, nicht da, auf der
anderen Seite!!!“ (Soll heißen: Nicht rechts von der Tür, sondern links) „Mama,
mach mir einen tiefen Zopf. Einen TIIIIIIIIEEEEEFEN!“ - „Tiefer geht nicht!“ -
„WAAAAAHHHHH!“. Oder: „Papaaaaaa???“ (über drei Räume hinweg) „PAPAAAAA,
kommaaaaaaa!“ Ehemann schleppt sich ins Schlafzimmer. „Neeeeeeeiiiiiin, Mama
soll kommen!!!!“
Lachen verboten
Grundsätzlich verboten sind Unterhaltungen unter Erwachsenen,
lautes Lachen (manchmal auch leises Schmunzeln) und jegliche Art von
Anforderungen an Eure Majestät, die sich auf Nahrungsaufnahme, Körperpflege,
Ruhezeiten oder etwa Chaosbeseitigung beziehen. Immerhin, da ist sie
konsequent.
Auf die elterliche Stimmung wirkt sich der tägliche
Ringkampf auch nicht unbedingt positiv aus. Aber ein Silberstreif erscheint am
Horizont: Eine Freundin hat mir eine Bachblütenmischung versprochen, die kleine
Zornpuckel wieder zu sich selbst finden lässt. Wir hätten gerne eine
Zweiliter-Flasche. Ach so, und dann noch was fürs Kind.
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Montag, 1. September 2014
Das Schnullergeschenk
Ich habe mal wieder eine wahre Geschichte rausgehauen. Sie ist wirklich fast ganz haargenau so in etwa passiert. Fakt ist: Meine Tochter ist ein völlig immateriell eingestellter Mensch, der die Kaufhof-Kinderabteilung als Spielzeugmuseum betrachtet. Von wem sie das wohl hat...
Das Schnullergeschenk
Es gibt Kinder, die schlafen ab dem dritten Monat durch,
essen alles, was man ihnen vorsetzt, geben ihren Schnuller mit eineinhalb
freiwillig ab. Und es gibt unsere Tochter. Sie schläft nur durch, wenn man sie
zu Beginn der Tagesthemen ins Bett legt. Sie isst so gut wie nichts von dem,
was man ihr vorsetzt und sie war auch mit zwei weit davon entfernt, jemals
ihren Schnuller abzugeben.
Anläufe mit lustigen Geschichten und Schnullerfeen hatte es
viele gegeben. Unsere Tochter reagierte darauf wie immer, nämlich gar nicht. Also
wagte ich eine kleine Umfrage im Freundeskreis. „Unserem Konrad mussten wir den
Schnuller nicht abgewöhnen, er hat nie einen gebraucht.“ Ja, ich weiß, dachte ich
im Stillen, und er hat auch mit drei Monaten durchgeschlafen…
„Lisa hat ihren Schnuller an Weihnachten in die Krippe
gelegt, für das Jesuskind.“ Wow, coole Idee! Weihnachten kam, unsere Tochter
entwickelte eine ungeahnte Begeisterung für „Baby Jesus“ und nannte sogar ihre
Lieblingsente nach ihm. Bloß ihren Schnuller, den bekam er nicht. Freunde
berichteten indes von Freunden, die eine „Schnuller-Station“ im Kinderzimmer
angebracht hatten: Nagel in die Wand, Schnuller mit Schnur dranbinden, Kissen
davorlegen. Bei meiner Tochter löste die Installation umgehend einen
Wutausbruch aus, den ich ihr nicht ganz verdenken konnte.
Der Weckruf
Und dann kam dieser Vormittag im Café. Neben uns saß ein
Herr, rührte in seinem Tee und sagte freundlich. „Sie sollten Ihrer Tochter den
Schnuller abgewöhnen, sie hat einen offenen Biss.“ Es stellte sich heraus, dass
er Zahnarzt war und wusste, wovon er sprach. Das Gespräch wurde zum Weckruf für
unsere Tochter. Todesmutig erklärte sie am Abend: „Ich schmeiß den Schnuller
jetzt weg.“
Eine Entscheidung mit Folgen... Die Fachliteratur prophezeit
unentschlossenen Eltern maximal zwei bis drei unruhige Nächte, wenn es um die
Schnuller-Entwöhnung geht. Aber die kennen ja auch unsere Tochter nicht. Nach
drei Wochen (!) zermürbenden Kampfes und Minimalschlafes hatten wir es endlich
geschafft. Der Schnuller war Geschichte, eine riesige Belohnung musste her.
Wir also wildentschlossen in die Kaufhof-Kinderabteilung. Ich
dachte an XXL-Plüschgiraffen und dreistöckige Puppenhäuser mit kleinen Bettchen,
Schränkchen und Mini-Toilette. Selbst mein Mann hatte einen großzügigen Tag und
sprach die legendären Worte „Such dir etwas Schönes aus, Schatz!“ Zu mir hat er
das noch nie gesagt…
Mit großen Augen stand ich vor einem detailgetreuen Bauernhof
und sagte zu meiner Tochter: „Guck mal, Süße, wie schön!“ Sie sah sich alles
an, schaute dann begeistert zu mir hoch und meinte: „Toll! Darf ich jetzt
Rolltreppe fahren? Bitte Mami!!“ Na gut, dachte ich. Dann also erst Rolltreppe
fahren. Wir haben ja Zeit. Ich schickte Mann und Tochter aufs mobile
Stufenelement und schaute mich weiter um.
Im Kinderhimmel
Oh, eine Kindergitarre, wie süß. Und ein echter Laptop!
Krass!! Puppen, Puzzles, Wasserspielzeug. Ich war im Kinderhimmel. Und meine
Tochter fuhr immer noch Rolltreppe. Ich fing sie oben ab und klatschte in die
Hände. „So Mäuschen, jetzt gibt es Geschenke!“ Wir streiften durch die Gänge, ließen
sie auf Schaukelpferden reiten, mit einem Grizzlybären spielen, ein
ferngesteuertes Auto lenken, machten ein Foto mit Biene Maja. Und dann sagte
sie plötzlich: „Gehen wir jetzt nach Hause?“ „Ja, willst du dir denn nichts
aussuchen?“, fragte ich entgeistert. „Nein, danke.“ (Sie sagte wirklich danke).
Irgendwie fühlte ich mich in meiner Mission empfindlich
gebremst und konnte gerade noch ein enttäuschtes „Och!“ unterdrücken.
Anderseits war ich auch sehr stolz auf meine immateriell eingestellte Tochter.
„Das hat sie von mir“, tat ich meinem Mann kund, bevor ich schnell mit einem lila
Pferde-Schlüsselband, vier Blumen-Ausstanzern und einer total stylischen
Stofftasche zum Selberbemalen Richtung Kasse lief. Warum sollte ich mir nicht
auch mal was gönnen.
Das wollte ich immer
schon haben!
Als ich zurückkam, sah ich Mann und Tochter andächtig vor
einem kleinen Basketballkorb stehen. „…und dann musst du den Ball da oben
reinwerfen“, hörte ich meinen Mann erklären und meine Tochter nickte eifrig. Sie
drehte sich zu mir um: „Mama, so einen Basketball-Dingsbums wollte ich immer
schon haben“, sagte sie inbrünstig. „Super“, antwortete ich mit einem scheelen
Blick zu meinem Mann, der früher übrigens einmal passionierter
Basketballspieler gewesen ist.
An der Kasse stapelten sich dann neben Basketballkorb und
zugehörigem Basketball übrigens auf wundersame Weise noch drei Jonglierbälle,
eine Laserpistole und Star Wars-Shuttle. Seltsame Auswahl für eine Zweijährige…
Aber mal ehrlich: wir hatten es uns auch wirklich verdient J
Es grüßt euch
Die Nachbarin
Dienstag, 22. Juli 2014
OP oder nicht OP?
Unsere Tochter spricht seit etwa zwei Wochen mit englischem Akzent. Soll heißen aus Ball wird Balllll, aus toll wird tolllll, so wie in "well". Kann man ein "l" rollen? Falls ja, dann tut sie genau das. Jetzt gibt es mehrere Theorien:
1) Sie war in einem vorherigen Leben Jane Austen und das kommt jetzt langsam durch.
2) Sie schaut heimlich, nachdem wir ins Bett gegangen sind, Sesamstraße in Originalfassung.
3) Sie hat den Akzent von ihrer Erzieherin. Aber die heißt Carmen Gonzales, also eher unwahrscheinlich.
4) Sie hört nicht gut.
An weitere Theorien will ich im Moment gar nicht denken. Aber da man uns zeitgleich in der Kita ans Herz gelegt hat, ihre Ohren checken zu lassen ("Irgendwie muss man ihr in letzter Zeit alles drei Mal sagen, bevor sie reagiert!" - "In letzter Zeit??? Das ist schon seit der Entbindung so!!!") haben wir uns entschieden zum HNO zu gehen. Schon wieder.
Mit dem Trend
Heutzutage gehört es ja zum guten Ton, sich im Kindergartenalter mindestens fünfmal die Rachenmandeln (die heißen nämlich gar nicht Polypen) entfernen zu lassen und je ein schickes Röhrchen im Gehörgang zu tragen, damit das Trommelfell nicht platzt. Da wir ja moderne Eltern sind und daher auch jeden Trend mitnehmen, hatten wir das dahingehende Potential unserer Tochter bereits abchecken lassen.
Das Ergebnis: "Herzlichen Glückwunsch!!! Ihr Kind hat riiiiiiiiiiesige Polypen. Das sind wahre Bazillenschleudern. Wir machen eine klitzekleine OP und nehmen sie einfach raus." - "Cool! Das freut uns!" "Außerdem hat sie Unterdruck in den Ohren. Vielleicht haben Sie Glück und sie darf irgendwann auch ein bis zwei Paukenröhrchen tragen." - "Oh ja, das wäre echt schick, kann man das irgendwie fördern…?"
Nachdem unsere naturkundlich angehauchte Kinderärztin kürzlich auch noch versicherte "Ihre Kleine hat einen tollen Erguss im Ohr" und damit prahlte "meine Kinder haben mit zwei schon die Polypen rausgehabt" war klar: Auf den Zug müssen wir aufspringen!! Da man jedoch auf einer Schiene bekanntlich nicht gut fährt, wollten wir nun noch eine zweite Experten-Meinung einholen und folgten einer Empfehlung unserer Nachbarin.
Wie!? Sachlich??
Wir also in die HNO-Praxis, da sagt der doch zu uns: "Wir gehen das Thema jetzt mal ganz sachlich an." - "Wat denn, sachlich?!" fragten wir etwas perplex. "Ich schau mir jetzt mal Ihre Tochter an und es ist wichtig, dass Sie dabei ganz neutral bleiben." - "Hallo guter Mann, ich bin Mutter, das ist das Gegenteil von neutral. Und ich will das Beste für mein Kind." - "Eben", meinte er und löste vorsichtig meine Hand, die sich etwas nervös um den Oberarm meiner Tochter gekrallt hatte.
Etwas eingeschüchtert folgten wir der Untersuchung. Selbst unsere Tochter verzichtete dieses Mal darauf, Zeter und Mordio zu schreien. Und dann kam die Diagnose - ich hatte schon so was befürchtet: "Ihre Tochter braucht keine Operation, die braucht ein Taschentuch!" - "Hä?", fragte ich, wohl etwas zu emotional, denn er trat mich gegen das Schienbein. "Wir wollten doch sachlich bleiben…" - "Äh ja, 'tschuldigung."
"Also Ihre Tochter hat Schnupfen und ansonsten nur ganz leicht vergrößerte Rachenmandeln, die man definitiv nicht operieren muss", sagte er. "Oh!", hauchte ich und warf meinem Mann einen kurzen Blick zu. Er hatte es ja immer schon gesagt… "So geht es übrigens 90 Prozent der Kinder, die man operiert. Aber so ein Belegarzt will ja auch irgendwie seinen Sommerurlaub finanzieren." Stimmt, diese armen Belegärzte haben es ja auch nicht leicht.
"Und was ist mit Pauken…." - "Die Ohren ihrer Tochter sind völlig in Ordnung", unterbrach er mich. "Die einzige Krankheit, die sie hat heißt 'Kindergarten'."
Mit hängenden Schultern verließ ich die Praxis. Auf dem Weg zur Apotheke, um homöopathische Nasentropfen zu holen, blickte ich auf unsere fröhlich umherhüpfende Tochter und dann in das Grinsegesicht meines Mannes und seufzte laut: "Na gut, dann kriegt sie eben Ohrringe."
1) Sie war in einem vorherigen Leben Jane Austen und das kommt jetzt langsam durch.
2) Sie schaut heimlich, nachdem wir ins Bett gegangen sind, Sesamstraße in Originalfassung.
3) Sie hat den Akzent von ihrer Erzieherin. Aber die heißt Carmen Gonzales, also eher unwahrscheinlich.
4) Sie hört nicht gut.
An weitere Theorien will ich im Moment gar nicht denken. Aber da man uns zeitgleich in der Kita ans Herz gelegt hat, ihre Ohren checken zu lassen ("Irgendwie muss man ihr in letzter Zeit alles drei Mal sagen, bevor sie reagiert!" - "In letzter Zeit??? Das ist schon seit der Entbindung so!!!") haben wir uns entschieden zum HNO zu gehen. Schon wieder.
Mit dem Trend
Heutzutage gehört es ja zum guten Ton, sich im Kindergartenalter mindestens fünfmal die Rachenmandeln (die heißen nämlich gar nicht Polypen) entfernen zu lassen und je ein schickes Röhrchen im Gehörgang zu tragen, damit das Trommelfell nicht platzt. Da wir ja moderne Eltern sind und daher auch jeden Trend mitnehmen, hatten wir das dahingehende Potential unserer Tochter bereits abchecken lassen.
Das Ergebnis: "Herzlichen Glückwunsch!!! Ihr Kind hat riiiiiiiiiiesige Polypen. Das sind wahre Bazillenschleudern. Wir machen eine klitzekleine OP und nehmen sie einfach raus." - "Cool! Das freut uns!" "Außerdem hat sie Unterdruck in den Ohren. Vielleicht haben Sie Glück und sie darf irgendwann auch ein bis zwei Paukenröhrchen tragen." - "Oh ja, das wäre echt schick, kann man das irgendwie fördern…?"
Nachdem unsere naturkundlich angehauchte Kinderärztin kürzlich auch noch versicherte "Ihre Kleine hat einen tollen Erguss im Ohr" und damit prahlte "meine Kinder haben mit zwei schon die Polypen rausgehabt" war klar: Auf den Zug müssen wir aufspringen!! Da man jedoch auf einer Schiene bekanntlich nicht gut fährt, wollten wir nun noch eine zweite Experten-Meinung einholen und folgten einer Empfehlung unserer Nachbarin.
Wie!? Sachlich??
Wir also in die HNO-Praxis, da sagt der doch zu uns: "Wir gehen das Thema jetzt mal ganz sachlich an." - "Wat denn, sachlich?!" fragten wir etwas perplex. "Ich schau mir jetzt mal Ihre Tochter an und es ist wichtig, dass Sie dabei ganz neutral bleiben." - "Hallo guter Mann, ich bin Mutter, das ist das Gegenteil von neutral. Und ich will das Beste für mein Kind." - "Eben", meinte er und löste vorsichtig meine Hand, die sich etwas nervös um den Oberarm meiner Tochter gekrallt hatte.
Etwas eingeschüchtert folgten wir der Untersuchung. Selbst unsere Tochter verzichtete dieses Mal darauf, Zeter und Mordio zu schreien. Und dann kam die Diagnose - ich hatte schon so was befürchtet: "Ihre Tochter braucht keine Operation, die braucht ein Taschentuch!" - "Hä?", fragte ich, wohl etwas zu emotional, denn er trat mich gegen das Schienbein. "Wir wollten doch sachlich bleiben…" - "Äh ja, 'tschuldigung."
"Also Ihre Tochter hat Schnupfen und ansonsten nur ganz leicht vergrößerte Rachenmandeln, die man definitiv nicht operieren muss", sagte er. "Oh!", hauchte ich und warf meinem Mann einen kurzen Blick zu. Er hatte es ja immer schon gesagt… "So geht es übrigens 90 Prozent der Kinder, die man operiert. Aber so ein Belegarzt will ja auch irgendwie seinen Sommerurlaub finanzieren." Stimmt, diese armen Belegärzte haben es ja auch nicht leicht.
"Und was ist mit Pauken…." - "Die Ohren ihrer Tochter sind völlig in Ordnung", unterbrach er mich. "Die einzige Krankheit, die sie hat heißt 'Kindergarten'."
Mit hängenden Schultern verließ ich die Praxis. Auf dem Weg zur Apotheke, um homöopathische Nasentropfen zu holen, blickte ich auf unsere fröhlich umherhüpfende Tochter und dann in das Grinsegesicht meines Mannes und seufzte laut: "Na gut, dann kriegt sie eben Ohrringe."
Montag, 26. Mai 2014
Echt krank!
"Wenn Sie merken, Sie reiten ein totes Pferd - steigen Sie ab." So sprach einst unser Kinderarzt in Bezug auf Hausmittel gegen Säuglingswehwehchen. Dass wir diesen Satz bald auf ihn beziehen könnten, hätten wir damals nicht gedacht...
Ach, was hatten wir doch für eine schöne Kindheit in den 80ern. Erstmal alles mitgenommen, was es so an Masern, Mumps und Windpocken gab, und dann kam der nette Doktor mit seiner schwarzen Arzttasche, Stethoskop und Tröste-Gummibärchen. Wohlgemerkt ans Kinderbett - auch aus der Innenstadt in den Vorort. Und heute? Da kann man froh sein, wenn es heißt: "Dann laden Sie mal ihre fiebernden und reiernden Zwillinge ins Auto und kommen her. Aber bringen Sie viiiiiel Zeit mit!"
Immer öfter steht aber noch nicht mal dieses Angebot. Stadtdessen schallt es entgeistert durchs Telefon: "Krank? Ihre Tochter? Und dann rufen Sie HIER an????" - "Äh ja, Sie sind doch unsere Kinderarztpraxis?!" - "Das mag sein, aber kommen Sie in Ihrem Interesse bloß NICHT rein!! Sie glauben ja nicht,was hier los ist." Und das ist noch die freundliche Variante. "Brrrsss, zzzz, kkrrrzzz - tut mir Leid, ich kann Sie nicht hören ... die Leitung ist gestört ... rufen sie nächstes Jahr nochmal an", lautet die kreativ ausweichende. Und ein geraunztes "Sie machen wohl Witze!", gefolgt von einem langen "Tuuuuuuuut!" die ehrliche.
Ein kleines Mädchen aus unserer Kita landete auf diese Weise im Krankenhaus. Die Zweijährige hatte sich einen Magen-Darm-Virus eingefangen. Einen Termin bekam ihre Mutter natürlich nicht, dafür ein Päckchen Brechmittel. Die Information, dass sie das Präparat maximal zweimal geben durfte, fiel im hektischen Praxis-Vorzimmer irgendwie unter die Theke. Also, gab sie es alle acht Stunden und der Kleinen ging es schlecht!
Ich weiß nicht, ob sie sich die richtige Dosierung aus dem Internet gefischt hat - Doktor Google ist 24 Stunden für Sie da - jedenfalls dämmerte ihr: Da läuft was falsch. Die Zeit, die es brauchte, den Kinderarzt an die Strippe zu kriegen - nämlich zwei Stunden - füllte sie klugerweise mit einem Anruf beim Giftnotruf. So kam ihr völlig ausgetrocknetes Kind noch rechtzeitig in die Klinik, wo es drei Tage am Tropf hing und sich erholte. Zu dieser gefährlichen Misere fiel besagtem Kinderarzt folgendes ein: "Ich hab hier 100 Kinder am Tag, Sie können sich gerne eine Alternative suchen." Ach so.
Dass der gute Onkel Doktor am Kinderbett ins Reich der 80er-Jahre-Bilderbücher gehört, haben wir verstanden. Und auch, dass man sich als erstes im Internet schlau macht (3,3 Mio Suchergebnisse zum Thema "komische rote Flecken"). Ebenso richtet man sich als Kassenpatient automatisch aufs Warten ein: "Schatz, wie wollen wir unseren Sommerurlaub legen?", fragte mein Mann an Weihnachten. Ich: "Wieso?" Er: "Ich brauche einen Augenarzttermin."
Soweit, so naja. Aber: Müssen wir wirklich damit leben, dass Ärzte vor lauter Stress und Budgetproblemem ihre Berufung verlieren und ihren Hippokratischen Eid vergessen? Zur Erinnerung, da heißt es unter anderem: "Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden." Hmmm... Klar, es liegt nicht nur am Arzt, viele arbeiten sich kaputt. Es ist auch das kranke System, das für jeden Patienten rund 35 Euro Budget im Quartal vorsieht...
"Wir haben immer noch eines der besten Gesundheitssysteme der Welt", sagen indes selbst Kritiker. Klar, unter den Blinden... Der Alltag sieht nicht so aus. Und eine Spontanheilung ist in dieser Sache nicht in Sicht. Mein Mann hatte zu Silvester nach vielen Enttäuschungen im letzten Jahr einen guten Vorsatz: "Ich werde einfach nicht mehr krank." Nachdem es jetzt Mai ist und er in den letzten Monaten selten wirklich gesund war, hat er es trotzdem nochmal bekräftigt: "Prävention ist alles!" Ich halte das für eine gute Idee und schaue gerade etwas reuig auf die leere Tüte der Gummibärchen, die ich zum Frühstück hatte, während ich mir am PC den Hintern breit sitze...
Vorbeugen ist wichtig. Trotzdem kann es doch nicht sein, dass man von Ärzten keine Hilfe mehr erwartet. Gott sei Dank gibt es sie aber vereinzelt noch: Menschliche Mediziner, Kinderärzte, die Kinder MÖGEN. Unser Arzt gehört nicht dazu. Immer kürzer angebunden schleust er seine kleinen Patienten fließbandmäßig durch. Interesse und Feinfühligkeit sehen anders aus.
"Ich kann mir heute das Exkzem Ihrer Tochter am Handgelenk anschauen, aber für das am Bein machen Sie mal einen neuen Termin", sagte er irgendwann ungeduldig, nachdem wir zwei Wochen auf den Termin und eineinhalb Stunden im Wartezimmer gewartet haben. Seither steigen wir vom lahmen Gaul auf 70 PS um und fahren so oft es geht über zwei Autobahnen zu einer Ärztin im Norden der Nachbarstadt. Sie ist aufmerksam, hat eine lustige Brille und brüllt uns die Diagnose nicht über das angstvolle Weinen unserer Tochter hinweg zu. Mehr ist derzeit nicht zu wollen.
Ach, was hatten wir doch für eine schöne Kindheit in den 80ern. Erstmal alles mitgenommen, was es so an Masern, Mumps und Windpocken gab, und dann kam der nette Doktor mit seiner schwarzen Arzttasche, Stethoskop und Tröste-Gummibärchen. Wohlgemerkt ans Kinderbett - auch aus der Innenstadt in den Vorort. Und heute? Da kann man froh sein, wenn es heißt: "Dann laden Sie mal ihre fiebernden und reiernden Zwillinge ins Auto und kommen her. Aber bringen Sie viiiiiel Zeit mit!"
Immer öfter steht aber noch nicht mal dieses Angebot. Stadtdessen schallt es entgeistert durchs Telefon: "Krank? Ihre Tochter? Und dann rufen Sie HIER an????" - "Äh ja, Sie sind doch unsere Kinderarztpraxis?!" - "Das mag sein, aber kommen Sie in Ihrem Interesse bloß NICHT rein!! Sie glauben ja nicht,was hier los ist." Und das ist noch die freundliche Variante. "Brrrsss, zzzz, kkrrrzzz - tut mir Leid, ich kann Sie nicht hören ... die Leitung ist gestört ... rufen sie nächstes Jahr nochmal an", lautet die kreativ ausweichende. Und ein geraunztes "Sie machen wohl Witze!", gefolgt von einem langen "Tuuuuuuuut!" die ehrliche.
Ein kleines Mädchen aus unserer Kita landete auf diese Weise im Krankenhaus. Die Zweijährige hatte sich einen Magen-Darm-Virus eingefangen. Einen Termin bekam ihre Mutter natürlich nicht, dafür ein Päckchen Brechmittel. Die Information, dass sie das Präparat maximal zweimal geben durfte, fiel im hektischen Praxis-Vorzimmer irgendwie unter die Theke. Also, gab sie es alle acht Stunden und der Kleinen ging es schlecht!
Ich weiß nicht, ob sie sich die richtige Dosierung aus dem Internet gefischt hat - Doktor Google ist 24 Stunden für Sie da - jedenfalls dämmerte ihr: Da läuft was falsch. Die Zeit, die es brauchte, den Kinderarzt an die Strippe zu kriegen - nämlich zwei Stunden - füllte sie klugerweise mit einem Anruf beim Giftnotruf. So kam ihr völlig ausgetrocknetes Kind noch rechtzeitig in die Klinik, wo es drei Tage am Tropf hing und sich erholte. Zu dieser gefährlichen Misere fiel besagtem Kinderarzt folgendes ein: "Ich hab hier 100 Kinder am Tag, Sie können sich gerne eine Alternative suchen." Ach so.
Dass der gute Onkel Doktor am Kinderbett ins Reich der 80er-Jahre-Bilderbücher gehört, haben wir verstanden. Und auch, dass man sich als erstes im Internet schlau macht (3,3 Mio Suchergebnisse zum Thema "komische rote Flecken"). Ebenso richtet man sich als Kassenpatient automatisch aufs Warten ein: "Schatz, wie wollen wir unseren Sommerurlaub legen?", fragte mein Mann an Weihnachten. Ich: "Wieso?" Er: "Ich brauche einen Augenarzttermin."
Soweit, so naja. Aber: Müssen wir wirklich damit leben, dass Ärzte vor lauter Stress und Budgetproblemem ihre Berufung verlieren und ihren Hippokratischen Eid vergessen? Zur Erinnerung, da heißt es unter anderem: "Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden." Hmmm... Klar, es liegt nicht nur am Arzt, viele arbeiten sich kaputt. Es ist auch das kranke System, das für jeden Patienten rund 35 Euro Budget im Quartal vorsieht...
"Wir haben immer noch eines der besten Gesundheitssysteme der Welt", sagen indes selbst Kritiker. Klar, unter den Blinden... Der Alltag sieht nicht so aus. Und eine Spontanheilung ist in dieser Sache nicht in Sicht. Mein Mann hatte zu Silvester nach vielen Enttäuschungen im letzten Jahr einen guten Vorsatz: "Ich werde einfach nicht mehr krank." Nachdem es jetzt Mai ist und er in den letzten Monaten selten wirklich gesund war, hat er es trotzdem nochmal bekräftigt: "Prävention ist alles!" Ich halte das für eine gute Idee und schaue gerade etwas reuig auf die leere Tüte der Gummibärchen, die ich zum Frühstück hatte, während ich mir am PC den Hintern breit sitze...
Vorbeugen ist wichtig. Trotzdem kann es doch nicht sein, dass man von Ärzten keine Hilfe mehr erwartet. Gott sei Dank gibt es sie aber vereinzelt noch: Menschliche Mediziner, Kinderärzte, die Kinder MÖGEN. Unser Arzt gehört nicht dazu. Immer kürzer angebunden schleust er seine kleinen Patienten fließbandmäßig durch. Interesse und Feinfühligkeit sehen anders aus.
"Ich kann mir heute das Exkzem Ihrer Tochter am Handgelenk anschauen, aber für das am Bein machen Sie mal einen neuen Termin", sagte er irgendwann ungeduldig, nachdem wir zwei Wochen auf den Termin und eineinhalb Stunden im Wartezimmer gewartet haben. Seither steigen wir vom lahmen Gaul auf 70 PS um und fahren so oft es geht über zwei Autobahnen zu einer Ärztin im Norden der Nachbarstadt. Sie ist aufmerksam, hat eine lustige Brille und brüllt uns die Diagnose nicht über das angstvolle Weinen unserer Tochter hinweg zu. Mehr ist derzeit nicht zu wollen.
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