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Montag, 24. August 2015

Mädchenkram


Vorgestern hat eine gute Freundin von mir ihr drittes Kind bekommen. Ein Junge. Ich wusste es! Während meiner Schwangerschaft wusste ich auch, dass es ein Junge wird. Ich hatte es geträumt und meine Mutter, die immer so Ahnungen hat, hatte so eine Ahnung. Bis die Frauenärztin dann im sechsten Monat sagte: "Also, das Kind ist gesund! Es sei denn, Sie bestehen weiterhin darauf, dass es ein Junge ist. Dann fehlt was Entscheidendes!"

Montag, 3. November 2014

Pädagogische Fehler, die ich immer vermeiden wollte und warum ich sie trotzdem mache

Der Trend geht zu langen Überschriften ;-)

Also, ich bin ja irgendwie vom Fach. Hab in grauer Vorzeit mal Pädagogik studiert UND abgeschlossen. Jahaaa! Aber es hatte wohl seinen Grund, dass ich den Schwerpunkt auf Erwachsenenbildung gelegt habe.

Trotzdem hatte ich eine diffuse Idee davon, wie ich denn mein Kind erziehen wollte, bzw. vor allem wohin: Zu einer selbständigen, toleranten, selbstbewussten, engagierten und natürlich glücklichen Schülersprecherin. Als ich kürzlich ein Goldenes Ehepaar fragte, welche Werte sie ihren drei Kindern mitgegeben haben, sagten sie „Benehmen“ (sonst nichts). "Hmm!", guckte ich etwas betreten.

Andererseits, wenn ich mir meine Tochter so anschaue: Ein bisschen Benehmen würde nicht schaden. Und Respekt! Und Grenzen! Aber der Zuch ist wahrscheinlich abgefahren, die frühkindlichen - das ganze Leben prägenden Jahre - fast vorbei. Das Kind quasi in den Brunnen gefallen. Ich freu mich schon auf die Pubertät.

Aber was ist eigentlich passiert?

Also, erstens erzieht man ja sein Kind nicht allein. Das ist die Krux. Drücken Sie mal ihre rudimentären Vorstellungen von ausgedehnten Waldtagen mit einem ausgeprägten Stubenhocker durch. Oder die Idee, das Kind ohne mobile Endgeräte erziehen. Stieß sich ebenfalls an der Realitätskante. Das ein ITler und eine Online-Redakteurin ein Kind ohne Pad-, Pod- und Phone-Affinität aufziehen ist eben eher unwahrscheinlich.   

IIIIICH hab ja als Kind kaum ferngesehen und meinen ersten CD-Player bekam ich mit 18. Okay, vorher hatte es auch wohl noch keine gegeben. Oder fast! Aber dafür hatten mein Bruder und ich neben unseren eigenen Zimmern ein riesiges Spielzimmer. Mit 'nem Regal aus einer alten Bäckerei vom Boden bis zur Decke voll mit buntem Zeug. Das wünsche ich meiner Tochter auch. Spielsachen satt. 

Dieser Wunsch kollidiert wiederum mit unserer Quadratmeterzahl und den Ansichten meines Mannes: „IIIIICH habe meine ganze Kindheit durch nur drei Playmobil-Figuren und zwei Star Wars-Figuren gehabt und das Wars, äh war’s!“ Kein Wunder, dass er mit Ohren und Nase gleichzeitig wackeln und seinen Arm zweimal um die eigene Achse drehen kann. Mit irgendwas muss man sich ja beschäftigen. Jedenfalls muss unsere Tochter nun für jedes Spielgerät, das dazukommt, eins aussondern. 

Was noch? Gesunde Ernährung. Sind wir eigentlich beide für, aber unsere Tochter nicht. Obwohl, wenn man es genau betrachtet, ist sie eigentlich Veganerin: "Ich will Nudeln mit Soße, aber ohne Soße!". Das mit der zuckerfreien Ernährung klappte bis eineinhalb. Das mit der endgerätfreien Erziehung immerhin fast bis zwei. Dann brach sie sich das Bein und (wir) musste(n) vier Wochen Gips bis zur Hüfte (er-)tragen. Da gibt man dann schon mal auf.

Auch die Idee, sie in einen multilingualen, integrativen Montessori-Wald-Kindergarten mit naturwissenschaftlich-anthroposophischem Bildungsansatz zu schicken, mussten wir begraben. Hey, wir HABEN einen Kitaplatz, was will man heutzutage mehr. Und dann: Mandarin lernen am Nachmittag, Reitstunden für Kleinkinder, Zirkusschule? Wann das denn noch alles?

Also was haben wir?

Eine Dreijährige, die seit ihrem zweiten Geburtstag von acht bis halb drei in die Kita geht und danach von fünf engen Familienmitgliedern betreut und aufgezogen wird. Ein Kind, das jeden Tag vor die Tür kommt, Laufrad fährt wie der Teufel und problemlos drei Kilometer marschiert, wenn auch über Asphalt. Eine Entdeckerin, die einen Marienkäfer von einer Feuerwanze und eine Eichel von einer Haselnuss unterscheiden kann, allerdings auch „Die Sendung mit der Maus“ von „Jonalu“ und Firefox von Safari. Eine Leseratte, die etwa hundert Bücher besitzt und gefühlt alle auswendig kennt und die gleichzeitig das Tablet so virtuos bedient, dass die Oma runde Augen kriegt. 

Ich glaube eher nicht, dass sie mal Schülersprecherin wird. Aber authentisch wird sie sein, tolerant und sozial, großherzig und lustig. Ganz einfach, weil sie es immer schon war. Und Glück? Das können wir ihr wünschen. Erkennen muss sie es selbst.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Auf die Omas – und Opas

Das Jahr hat 365 Tage (subjektiv ja höchstens 120 oder wieso ist schon wieder Oktober?) und fast jeder Tag ist auch ein Feier- oder Gedenktag. Die Anlässe sind durchaus ernst zu nehmen! Da ist der Tag der Jogginghose am 21. Januar, der Anti-Diät-Tag am 6. Mai oder der Tag der verlorenen Socke drei Tage später. Diesen begehe ich immer besonders feierlich, gibt er mir doch das Gefühl, mit diesem Problem nicht alleine da zu stehen.

Ja, und an diesem Sonntag ist wieder so ein Feiertag. Ein besonders wichtiger, wie ich finde: Der internationale Oma-Tag. Es erschließt sich zwar nicht, warum es einen Oma-Tag gibt, aber keinen Opa-Tag und ich muss an dieser Stelle vehement fordern, unverzüglich einen einzuführen, aber die Idee ist grundsätzlich großartig. Anders als mein Mann bin ich ja einer dieser Traditionsmenschen. Während er schreiend wegläuft, sobald sich am Horizont ein altes oder neu erfundenes Brauchtum ankündigt, stürzte ich mich mitten rein.

Mir doch egal, wenn sich die Blumenindustrie freut. Die Floristen freuen sich mit und warum nicht den Holländern auch mal was Gutes tun. Die haben‘s ja auch nicht leicht, jetzt wo der Meeresspiegel ansteigt und so. Aber ich schweife ab. Drei-Absatz-lange-Rede kurzer Sinn: Ich möchte den Oma-Tag zum Anlass nehmen, ernsthaft „danke“ zu sagen. Unseren zwei Omas UND natürlich dem Opa. Denn sie haben es mehr als verdient.

Oma und Opa an sich

Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Während ich mich gerade vom letzten Machtkampf mit meiner Dreijährigen erhole – ich habe verloren und sie darf trotz Regen in Strumpfhosen ohne Rock in die Kita UND mein Deko-Schaf mitnehmen – bin ich sicher, dass das nicht ausreicht. Zumindest, wenn man annähernd den erzieherischen Standards genügen will, die über die Medien und das Umfeld transportiert werden und dabei noch den ganzen anderen Alltagskram bewältigen muss.

Per definitionem ist eine Oma (oder ein Opa) neben Mutter und Vater der Eltern folgendes: „Betreuer, Kulturvermittler und Ratgeber innerhalb der Familie und ein Bindeglied zwischen den Generationen.“ Klingt wichtig, ist es auch! In der Praxis sieht das dann so aus: Zwei Menschen Mitte sechzig setzen sich einmal in der Woche ins Auto, um 65 Kilometer am Rhein entlang von A nach B zu fahren und dort stundenlang ein Kleinkind zu bespaßen, während Mama und Papa arbeiten. Und das seit über zwei Jahren.

In der anderen Himmelsrichtung steht eine Mitte 70-Jährige aus dem gleichen Grund quasi Tag und Nacht parat, um 20 Kilometer mit Öffis zurückzulegen, dabei bis zu zweimal umzusteigen oder wahlweise lange Fußmärsche bei Regen und Schnee hinzulegen. In der Hand halten die Großeltern bei ihrer Ankunft neue Kleidung oder Bücher fürs Kind, Werkzeug, um etwas in unserer Wohnung zu reparieren, Zeitschriften und Deko oder aber köstliches Fingerfood, Muffins und Kuchen, je nachdem, was die Küche so hergab.

Offene Ohren

Dieses heinzelmännchenartige Kommen und Gehen in unserem Alltag passiert, ohne dass OmaOpa jemals eine Gegenleistung erwarten, einfach aus Liebe zur Familie und aus Liebe zum bisher einzigen Enkelkind. So eine Poleposition hat schon was für sich. Was sie übrigens niemals im Gepäck haben, ist eine lautstarke Meinung zu unserer Art, das Leben zu meistern oder unsereTochter zu erziehen. Und das ist schon fast ein Alleinstellungsmerkmal.

Jeder hat heute einen Standpunkt, wenn es um Elternschaft und Kindererziehung geht. Der Kopfschüttler an der Supermarktkasse, wenn man sich entgegen besseren Wissens mit einem Ü-Ei Ruhe erkauft. Die Mutti in der Rückbildung, die schon drei Kinder hat und das dritte eben im Vorbeigehen bekam, bevor sie eine Stunde später mit der Familie stillend shoppen ging. Der skandinavische Pädagoge (den ich wirklich schätze) und der es wissen muss, schließlich ist er ja aus Skandinavien, und dessen guten Ideen wir einfach nicht genügen.

Unsere Großeltern äußern sich vorsichtig, wenn wir sie fragen. Sie haben offene Ohren und hören auch die Zwischentöne. Sie fiebern mit, leiden und freuen sich genauso, wie wir, wenn es um die kleinen und großen Begebenheiten im kindlichen Alltag geht. Und dabei haben sie das, was uns zwischen Jobstress, Wocheneinkauf und Steuererklärung zu oft abgeht: Zeit, Kraft und Geduld, sich ganz auf ihr Enkelkind einzulassen. Sie müssen sie nicht mitzerren durch den Dschungel der Alltagspflichten, der einfach nicht kindgerecht sein kann.

Trotzkopf möchte bei Sonne und lauen Temperaturen auf gar keinen Fall raus? Gut, dann liest die Oma eben vor und sie versuchen es zwei Stunden später nochmal. Klein-Brutalo erklettert die andere Oma und probiert „Ich reiß dir den Kopf ab“ am lebenden Objekt aus? Oma lacht. Liebelein möchte beim Spaziergang weder laufen noch im Buggy fahren? Opa trägt sie kilometerweit auf den Schultern. Mama und Papa können so was nicht, die haben Rücken. Opa aber eigentlich auch.

Danke!!!

Für all diese großen und kleinen Gesten, die unaufdringliche Hilfe, das Da-sein, wenn ihr gebraucht werdet, danken wir Euch! Nicht nur am Oma-Tag, sondern immer wieder! Ihr seid die Besten!!


Freitag, 3. Oktober 2014

Die gegen das Chaos verliert

Ich räume gerne auf. Vorrangig deshalb, weil ich mir damit die uneingeschränkte Anerkennung meines Mannes erwerbe (anders als beim Kochen). „Wow, das ging ja wieder blitzschnell“, sagt er begeistert, wenn er leergefegte Böden, Tische, Regale, Türklinken und Gardinenstangen (wieso hing da ein Kinderkleid meiner Mutter aus den 50er Jahren?!) bewundert.

Und Bewunderung (m)eines Mannes ist ein seltenes Gut, für eine gestresste Mutter-Schrägstrich-Selbständige Ende 30, die Schokolade einfach lieber mag, als diese grandiose diätische Kohlsuppe und deren einziger Sport sich auf den morgendlichen Ringkampf mit der Tochter beim Strumpfhose anziehen beschränkt (Minus 500 Kalorien - mindestens). Dummerweise muss ich danach Schokolade essen, um wieder Energie für den Tag zu tanken, der vor mir liegt…

Erstaunliche Schätze

Die Kehrseite meiner Schnelligkeit beim Aufräumen ist übrigens, dass ich mich leider immer nur daran erinnern kann, von wo ich etwas weggeräumt habe, aber nicht wohin. An dieser Stelle hört die Anerkennung meines Mannes dann auch abrupt auf. „Schaahaaaatz! Wo hast du mein D-Link DUB-H7 HUB USB hingeräumt?“ - „Ich?? Ich weiß noch nicht mal, was das ist!“   
 
Meistens war ich es dann doch und die Suche beginnt. Dabei trifft man auf erstaunliche Schätze. Da sind zum Beispiel sämtliche Einrichtungszeitschriften, derer ich seit 2003 habhaft werden konnte. Die kann ich doch nicht wegschmeißen! Die muss ich alle nochmal lesen, am liebsten gleich… Oder alle Ausgaben der Elternzeitschrift, seit meine Eltern mir 2011 das Abo geschenkt haben. Oh, da ist noch eine mit Versandfolie drum - Dezember 2013…

Leergut verteilt sich über Küche, Wohnzimmer und Arbeitszimmer. Kleidungsstücke unterschiedlicher Frische über die anderen Räume. Außerdem Bücher, die ich mal gelesen habe. Es verbietet sich, die ins Altpapier zu schmeißen, aber die AWO-Sozialstelle gegenüber nimmt nur einmal in der Woche an und irgendwie verpasse ich den Termin seit zwei Jahren. Dann Schuhe, die ich nur einmal anhatte, weil sie Blasen machen - aber hej, die sind ja quasi neu, sogar das Etikett klebt noch drunter und meine Füße wachsen doch nicht mehr, anders als mein Hintern. Aber die jetzt zu den Altkleidern geben? Ich weiß nicht.

Vier Käsereiben und ein Eichhörnchen

So geht es munter weiter. „Schatz, du hast schon wieder eine Käsereibe gekauft!“ - „Ja, ich weiß, aber die anderen drei waren nix.“ - „Und warum hängen die dann noch alle hier rum?“ Na, weil sie neu sind – irgendwie. Und ich es nicht geschafft habe, sie rechtzeitig umzutauschen und ich mich nicht traue, bei der nächsten Einladung zum Dinner mit einer – noch nicht mal guten – Käsereibe als Gastgeschenk aufzutauchen.

Meine Tochter ist auch nicht gerade hilfreich. Geschenke interessieren sie ja eher peripher. Aber von Spaziergängen müssen immer Stöcke, Eicheln, Kastanien und was sie sonst noch so findet mitgebracht werden. Die fliegen dann in der Wohnung rum. Eine Nacht habe ich ganz schlecht geschlafen, nur um festzustellen, dass sie eine Haselnuss unter dem Spannbetttuch gebunkert hatte. Ist sie ein Eichhörnchen, oder was?

Meine Lösung für dieses massive Überangebot an Zeug ist seit Jahren dieselbe. Ich kaufe einen neuen Schrank, ein neues Regal, Betten mit Schubladen – egal, Hauptsache Stauraum! „Wir brauchen noch ein Expedit-Regal“, informiere ich meinen Mann. Wusstet ihr, dass Expedit jetzt Kallax heißt? So wie Raider plötzlich Twix hieß oder Premiere Sky… Seltsam!

Mein Mann jedenfalls rauft sich die Haare. „Wo soll das denn noch hin??“ - „Also, wenn wir den Schreibtisch aus dem Wohnzimmer entfernen und das Regal aus dem Arbeitszimmer ins Wohnzimmer stellen, dann haben wir da wieder Platz…“ – „Nein haben wir nicht! Ich weiß schon nicht mehr, welche Farbe die Tapete im Arbeitszimmer hat.“ Auch wieder wahr. Ich glaube, sie war weiß… „Und wo willst du überhaupt den Schreibtisch hinstellen?“ - „Na, in der Keller, bis wir wieder mehr Platz haben…“

Bevor sein anschließender Lachanfall noch weiter ins Hysterische abgleitet, lasse ich das Thema erst mal fallen.

Wirklich!

Ihr habt mir schon mit vielen Tipps in Sachen Baby-Spinnen-Invasion geholfen (die Kleinen sind übrigens wieder da, machen sich prächtig und wir leben eine zufriedene Co-Existenz im Schlafzimmer). Wenn ihr also Ideen oder Erfahrungen mit diesem Chaos-Thema habt, bitte her damit. Oder, wenn ihr was braucht!  Oder jemanden kennt, der was braucht. Vielleicht einen Schreibtisch oder quasi neue Schuhe in Größe 40 oder Käsereiben! Sagt einfach Bescheid und wir gucken, was wir für euch tun können.

Kleine ernstgemeinte Anmerkung

Ich schreibe in meinem anderen Leben immer wieder Artikel über Armut in Deutschland und weltweit, deshalb ist es umso krasser, sich bewusst zu machen, in welchem Überfluss man lebt. Trotzdem höre ich von vielen Ansprechpartnern aus dem sozialen Bereich und der Entwicklungshilfe: „Bloß keine Sachspenden mehr. Wir werden damit zugemüllt.“ Schlau wäre, erst gar nicht so viel anzuschaffen, zu erben, sich schenken zu lassen. Aber auch wenn man reduziert, sammelt sich ja trotzdem vieles an, was sich nicht zu verkaufen lohnt oder was man nicht weggeben/wegschmeißen will. Wie geht ihr damit um?

Montag, 1. September 2014

Das Schnullergeschenk


Ich habe mal wieder eine wahre Geschichte rausgehauen. Sie ist wirklich fast ganz haargenau so in etwa passiert. Fakt ist: Meine Tochter ist ein völlig immateriell eingestellter Mensch, der die Kaufhof-Kinderabteilung als Spielzeugmuseum betrachtet. Von wem sie das wohl hat...

Das Schnullergeschenk

Es gibt Kinder, die schlafen ab dem dritten Monat durch, essen alles, was man ihnen vorsetzt, geben ihren Schnuller mit eineinhalb freiwillig ab. Und es gibt unsere Tochter. Sie schläft nur durch, wenn man sie zu Beginn der Tagesthemen ins Bett legt. Sie isst so gut wie nichts von dem, was man ihr vorsetzt und sie war auch mit zwei weit davon entfernt, jemals ihren Schnuller abzugeben.

Anläufe mit lustigen Geschichten und Schnullerfeen hatte es viele gegeben. Unsere Tochter reagierte darauf wie immer, nämlich gar nicht. Also wagte ich eine kleine Umfrage im Freundeskreis. „Unserem Konrad mussten wir den Schnuller nicht abgewöhnen, er hat nie einen gebraucht.“ Ja, ich weiß, dachte ich im Stillen, und er hat auch mit drei Monaten durchgeschlafen…

„Lisa hat ihren Schnuller an Weihnachten in die Krippe gelegt, für das Jesuskind.“ Wow, coole Idee! Weihnachten kam, unsere Tochter entwickelte eine ungeahnte Begeisterung für „Baby Jesus“ und nannte sogar ihre Lieblingsente nach ihm. Bloß ihren Schnuller, den bekam er nicht. Freunde berichteten indes von Freunden, die eine „Schnuller-Station“ im Kinderzimmer angebracht hatten: Nagel in die Wand, Schnuller mit Schnur dranbinden, Kissen davorlegen. Bei meiner Tochter löste die Installation umgehend einen Wutausbruch aus, den ich ihr nicht ganz verdenken konnte.

Der Weckruf

Und dann kam dieser Vormittag im Café. Neben uns saß ein Herr, rührte in seinem Tee und sagte freundlich. „Sie sollten Ihrer Tochter den Schnuller abgewöhnen, sie hat einen offenen Biss.“ Es stellte sich heraus, dass er Zahnarzt war und wusste, wovon er sprach. Das Gespräch wurde zum Weckruf für unsere Tochter. Todesmutig erklärte sie am Abend: „Ich schmeiß den Schnuller jetzt weg.“

Eine Entscheidung mit Folgen... Die Fachliteratur prophezeit unentschlossenen Eltern maximal zwei bis drei unruhige Nächte, wenn es um die Schnuller-Entwöhnung geht. Aber die kennen ja auch unsere Tochter nicht. Nach drei Wochen (!) zermürbenden Kampfes und Minimalschlafes hatten wir es endlich geschafft. Der Schnuller war Geschichte, eine riesige Belohnung musste her.

Wir also wildentschlossen in die Kaufhof-Kinderabteilung. Ich dachte an XXL-Plüschgiraffen und dreistöckige Puppenhäuser mit kleinen Bettchen, Schränkchen und Mini-Toilette. Selbst mein Mann hatte einen großzügigen Tag und sprach die legendären Worte „Such dir etwas Schönes aus, Schatz!“ Zu mir hat er das noch nie gesagt…

Mit großen Augen stand ich vor einem detailgetreuen Bauernhof und sagte zu meiner Tochter: „Guck mal, Süße, wie schön!“ Sie sah sich alles an, schaute dann begeistert zu mir hoch und meinte: „Toll! Darf ich jetzt Rolltreppe fahren? Bitte Mami!!“ Na gut, dachte ich. Dann also erst Rolltreppe fahren. Wir haben ja Zeit. Ich schickte Mann und Tochter aufs mobile Stufenelement und schaute mich weiter um.

Im Kinderhimmel

Oh, eine Kindergitarre, wie süß. Und ein echter Laptop! Krass!! Puppen, Puzzles, Wasserspielzeug. Ich war im Kinderhimmel. Und meine Tochter fuhr immer noch Rolltreppe. Ich fing sie oben ab und klatschte in die Hände. „So Mäuschen, jetzt gibt es Geschenke!“ Wir streiften durch die Gänge, ließen sie auf Schaukelpferden reiten, mit einem Grizzlybären spielen, ein ferngesteuertes Auto lenken, machten ein Foto mit Biene Maja. Und dann sagte sie plötzlich: „Gehen wir jetzt nach Hause?“ „Ja, willst du dir denn nichts aussuchen?“, fragte ich entgeistert. „Nein, danke.“ (Sie sagte wirklich danke).

Irgendwie fühlte ich mich in meiner Mission empfindlich gebremst und konnte gerade noch ein enttäuschtes „Och!“ unterdrücken. Anderseits war ich auch sehr stolz auf meine immateriell eingestellte Tochter. „Das hat sie von mir“, tat ich meinem Mann kund, bevor ich schnell mit einem lila Pferde-Schlüsselband, vier Blumen-Ausstanzern und einer total stylischen Stofftasche zum Selberbemalen Richtung Kasse lief. Warum sollte ich mir nicht auch mal was gönnen.

Das wollte ich immer schon  haben!

Als ich zurückkam, sah ich Mann und Tochter andächtig vor einem kleinen Basketballkorb stehen. „…und dann musst du den Ball da oben reinwerfen“, hörte ich meinen Mann erklären und meine Tochter nickte eifrig. Sie drehte sich zu mir um: „Mama, so einen Basketball-Dingsbums wollte ich immer schon haben“, sagte sie inbrünstig. „Super“, antwortete ich mit einem scheelen Blick zu meinem Mann, der früher übrigens einmal passionierter Basketballspieler gewesen ist.
An der Kasse stapelten sich dann neben Basketballkorb und zugehörigem Basketball übrigens auf wundersame Weise noch drei Jonglierbälle, eine Laserpistole und Star Wars-Shuttle. Seltsame Auswahl für eine Zweijährige… Aber mal ehrlich: wir hatten es uns auch wirklich verdient J

Es grüßt euch


Die Nachbarin


Montag, 10. Februar 2014

Danke für Dein Vorbild

Es gibt Menschen, die kreuzen deinen Weg und du wünschst ihnen Guten Tag und Lebewohl. Weil es der falsche Zeitpunkt ist, der falsche Ort. Nichts zu geben, nichts zu sagen. 

Und dann gibt es Menschen, die bleiben, auch wenn sie schon lange wieder gegangen sind. Sie leben die Kunst des Lebens vor, ohne es darauf anzulegen. Einfach, weil sie sie beherrschen und man staunend daneben steht. Als Beobachter, mit dem Wunsch, aber ohne große Hoffnung, sich belehren zu lassen. 

Peter wusste, was wir eigentlich alle wissen: Echte Weisheit liegt im Humor. Und so hat er gelebt. Kompromisslos in seinem Witz. Auch, als das Schicksal sich aufführte, wie eine trotzige Göre: herausfordernd, kräftezehrend und unbelehrbar. Auch in Momenten, in denen ihm die Fäden aus der Hand glitten - erst die zweite, dann die dritte Abzweigung in einer Sackgasse endete. 

Niemals habe ich einen Menschen getroffen, der auf ähnliche Weise mit seiner Krankheit umgegangen ist: spielerisch, versöhnlich, die eigene Lage mit neckenden Worten entlarvend. "Man nimmt, was man kriegt", schrieb er einmal. Man könnte auch sagen: "Man muss mit dem arbeiten, was man hat." Am Ende war seine Werkzeugkiste leer. 

Und doch hat er es geschafft: Bei der Erinnerung an ihn, erstickt die Trauer im Lachen. So hätte er es sicher gewollt. Am 6. Februar ist Peter gestorben. Er ist 42 Jahre alt geworden. Danke für dein Vorbild!